Archiv Motorsport

Bericht Schwarzwald Tour 2010

Kreuz und quer durch den Schwarzwald 03.06 – 06.06.2010

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Manchem tränte schon das Auge – so gebannt verfolgte er auf dem Wetter-Radar,welche Richtung das trostlose Regengebiet der letzten Woche wohl weiter nehmen wird. Demnach sollte es an Fronleichnam westlich von München ab Landsberg bereits trocken sein. Neunundzwanzig Biker, vorerst noch wasserdicht, freuten sich auf Landsberg und starteten die Motoren. Aber nix da – ab da ging’s erst richtig los. Es goss aus Kübeln – neun Stunden lang und dreihundertsiebzig Kilometer weit bis hinein in den tiefsten Schwarzwald.

Man sagt, der Weg dorthin, besonders durch’s Obere Donautal soll ausgesprochen reizvoll sei. Nichts hat man gesehen, null, nullkommanull – nur grau in grau. Die vielstündige Konzentration galt der Straße, den tiefen wassergefüllten Spurrillen, dem oftmal breitflächigen Bitumenflickwerk dessen Schmierseife-Effekt manchem nach einem flockigen 20 cm-Versatz des Hinterreifens doch ein erstauntes “öha” entlockte.

Es war kein Angstschweiss – es war einfach endlose Regenässe die allmählich durch alle Nähte und Reissverschlüsse der Regenmonturen bis auf die Haut gepresst wurde. Und dazu erfrischende Grade !! Von wegen T-Shirt, Hemdchen, Short und Badehose. Nix da – in den Satteltaschen waren zuoberst dicke Socken, Pullover, die gute alte lange Unterhose – möglichst innen angeraut und sämtliche Wärmer wie Kniewärmer, Nierenwärmer, Pulswärmer, Bierwärmer sorgsam gefaltet und verstaut. Doch die wettererprobten Biker ließen sich auch dieses Jahr von solchem Kinkerlitz nicht weiter aufregen. In Abständen trafen jetzt die vier Gruppen wohlbehalten im Hotel in Simonswald ein. Ein Heizkörper für die Klamotten – eine heiße Dusche für das Wohlbefinden hatten Vorrang. Der Regen war vorbei – die Luft mild – der erste Abend konnte schon mal als “sehr vergnüglich” bezeichnet werden.

 

Was insgeheim erhofft, aber nicht so recht erwartet wurde, traf dann doch für die nächsten Tage ein: Motorradwetter pur. Sicher ist man in derartiger Traum-Landschaft nicht alleine. Dass man aber dennoch auf Strecken bergauf, bergab, Kurve links, Kurve rechts, vorwiegend weit abseits vom Getriebe unterwegs war – dafür hatten im Vorfeld schon die GPS-Scouts Steffen und Achim gesorgt und entsprechende Routenpläne zusammengestellt. Brav – brav – brav !! Hier gibt es keinen Einzelziele – der Weg ist das Ziel. Von Nord nach Süd – von West nach Ost und retour – über luftige Höhen mit geduckten Schwarzwaldgehöften hinab in Ebenen mit Blumenwiesen, welche manch einer noch von irgendwann aus frühester Kindheit kannte. Vorbei an Schluchsee und Titisee – durch Wiesental, Höllental und Glottertal. Hier suchte man die Schwarzwaldklinik einschließlich Dr. Brinkmann vergebens. Achim hätte mal kurz eine Augensalbe gebraucht. Daß man mit einer “dicken” Harley nicht ausschließlich geradeaus fahren kann, stellte Utz auf dem “Ho Chi Minh-Pfad, hoch hinauf zum Kandel beieindruckend unter Beweis. Funkensprühend mangels nötiger Bodenfreiheit der Fußrasten durchzog er nicht nur einmal engste Kurven und Kehren. “Dieser Harley-Image-Zuwachs wurde kurz darauf durch Ausfall der halben Bordelektrik wieder zunichte gemacht.

Oben am “Schau in’s Land” schauten zwei Biker so lang in’s Land bis sie nicht mehr zu sehen waren und vom Rest der Crew unter “personelle Verluste” im Fahrtenbuch vermerkt wurden. Abends waren sie wieder da – zumal da der Wirt grundsätzlich die Heimkehrenden bereits im Hof mit einem “interessant” schmeckenden Selbstgebrannten in etikettloser Flasche abfing. Den ließ man sich keineswegs entgehen obwohl der Vergleich zu “Kommodenlack” nicht gänzlich aus der Luft gegriffen war. Mit dem Besuch der imposanten ehemaligen Klosterkirche St. Blasien und einem ebenso beeindruckenden Früchte-Eisbecher von Max waren der kulturelle Pflichtteil und anderweitige Traditionen abgehakt. Nicht nur, dass Andrea in diesen Tagen zwar kalendarisch ein Jahr älter – rein optisch aber wieder ein Jahr jünger wurde – nein, sie war auch der freundlichste Biker dieser Tour. Motorradfahrer grüßen sich nach uraltem Gesetz – natürlich nur ihresgleichen. Andrea dagegen grüßt alles was Räder hat bis hin zur Oma am Klapp-Rollator – am liebsten auch noch beidhändig. Dabei verringert sich ihre Geschwindigkeit, der linke Arm schnellt schlagbolzenartig nach außen – Ring- und Zeigefinger gespreizt, Harry fuhr hin und wieder links auf gleicher Höhe neben ihr – jedoch nur mit geschlossenem Helmvisier. Er bangte um sein Augenlicht.

Als Folge eines schleichenden Infiltrations-Prozesses stellt sich seit geraumer Zeit eine stetig wachsende Zahl von SVD-Bikern mit elektronischen Navigationshilfen dar. Bei vielen ist jedoch ein genauer und über längere Strecken zuverlässiger Datenabruf absolute Glücksache. Unverdrossen lassen sie sich zusätzlich auch auf Dauer nicht von der penetranten optischen wie auch akustischen Ansage “Bitte wenden sie bei nächster Gelegenheit” zermürben. Auch das konstante Risiko, von ihrer nachfolgenden Crew spätestens nach dem dritten Umkehrmanöver gesteinigt, geteert und gefedert zu werden, tragen sie mit Gleichmut. Aber egal – ob die einzelnen Gruppen nun in gleicher Richtung unterwegs waren oder sich auch mal zu allgemeiner Verwunderung begegneten – zum Abendessen waren sie immer pünktlich. Auch Günter und Gerhard donnerten Freitag Abend noch auf den Hof. Sie hatten sich am Tag zuvor unter’m Regenschirm die Gewissensfrage gestellt: “Brauch’ ich das ?” – und mit “Nein” beantwortet – dann kam die Sonne.

Die Heimfahrt am Sonntag, wiederum bei Licht, Luft und Sonnenschein verlief entspannt. Die Navi-Fehlerquote war zu vernachlässigen – das Obere Donautal präsentierte sich diesmal in ganzer Schönheit. Spät nachmittags beim “Tassilo” im Biergarten hob man die Gläser dann doch mehrmals zum Wohl der einzelnen Crew-Leader und ihrer Schlussfahrer. Sie haben einen guten Job gemacht, über vier Tage ihre jeweilige Truppe auf komplizierten Wegen mit und ohne Technik, ohne jegliche Verluste fast 1300 Kilometer durch die Lande navigiert und wieder nach Hause geführt. Scheeee war’s. Utz war schon unterwegs zu seiner Harley-Werkstatt um den Jungs wieder mal “die Wadl nach vorne zu richten”.

Guzzi-Harry

 

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Motorradsegnung und Saisoneröffnung – 29.April 2007

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Die ersten schüchternen Runden wurden ja schon früh im Jahr gedreht – aber ohne Segen wollte man die Saison nicht so gerne eröffnen. Die Außentemperaturen der letzten Monate hätten es ja durchaus zugelassen, die Motorradsegnung 2007 bereits zusammen mit dem Christkindlmarkt durchzuführen. Was jedoch die Frauen und Mütter des gleichnamigen Vereins einen nahtlosen Produktionsübergang bzw. die Parallel-Fertigung von Weihnachtsplatzerl und Buchsbaumbüscherl bedeutet hätte. Denn Letztere gehören nun einfach mal dazu. Auch am Sonntag lagen sie pünktlich bereit – frisch, grün und weißblau – und gingen wieder weg wie “Hornburger Semmeln”. Der Erlös, ca. 150 Euro, wurde wieder ungekürzt weitergegeben – dieses Mal als kleiner Beitrag zur Pfarrheim-Renovierung.

Dafür herzlichen Dank an die treuen und fleißigen “Floristen” und die verkaufstalentierte nette Dame aus der Lausitz (Steffis Mama). Pfarrer Maute, assistiert von Bernhard und Dieter, spendete den vielen angereisten Motorbikern mit ihren Maschinen den erbetenen Segen, verbunden mit den Bitten an unseren Herrgott für jeweils unversehrte Rückkehr – aber auch Apelle an Vernunft und Rücksicht, egal ob Motorrad- oder Autofahrer. Das Weihwasser reichte weit, das Vaterunser durfte als “Hausaufgabe” angesehen werden, dann ging jeder weitere Laut im furiosen Donnern von über siebzig gestarten Motoren unter. Der Korso entlang der Aschheimer Shopping Mall endete mit akuter Schräglage zum Frühschoppen. Die Catering-Crew im Pfarrheim setzte Maßstäbe in der örtlichen Gastronomie. Der Service perfekt, der Leberkäs in Konsistenz und Geschmack vorzüglich, die Radlerhalbe wohltemperiert, die Preise moderat.

Vorher mußte schnell noch ein videoaufgezeichnetes Ständchen für Susi gesungen werden. Herbe Männerstimmlagen – laut und falsch – dominierten. Die Susi freut sich sicher. Hart am zweifelhaften Prädikat “Master of Desaster” schrammt der liebe Joachim vorbei. Die gern gewählte Schutzbehauptung: “Meine BMW ölt nicht, sie markiert nur ihr Revier” – hier trifft sie im vollen Umfang zu. Nach wiederholten “Inkontinenzen” in jüngster Vergangenheit fiel sie diesmal aus heiterem Himmel auch noch um. Ein Dominoeffekt drohte – hätte sich Bernhard nicht beherzt dazwischen geworfen.

Der aufmerksame Betrachter bemerkt die liebenswerten kleinen Extras, welche oftmals symptomatisch für Saisoneröffnungen sind. Sei es eine neue figurbetonende Lederkombi, ein neuer Helm in Quietsch-Orange gegen dösige Autofahrer oder ein eventuell für ältere Herren zu sportliches Leihmotorrad, von dem man nur durch Nothalt, unter Ächzen, Stöhnen, wirren Anweisungen an die Sozia und massivem Wadlkrampf wieder herunter kommt. Eine “Motorrad-Aufrüstung” der ganz charmanten Art hat sich Erwin einfallen lassen. Nachfragen zwecklos: dergleichen “Tuning-Parts” sind bei Polo, Louis und Co. nicht zu haben.

Die anschließende kleine Tour der zwei Gruppen führte über die Dörfer Richtung Achenpass und auf verschlungenen Pfaden wieder zurück. Sonne, Wärme, grüne Wiesen, gelb blühender Raps, Fliederduft. Es war eine Frühlingsreise, welche zum träumen verführte – wären da nicht die dicken geflügelten Brummer im Tiefflug, welche immer wieder durchschlagsverdächtig gegen Helm und Visier knallten. Der Wirtsgarten in Glashütte, nahe Kreuth, wurde kampflos eingenommen. Die Bestellung an die Küche: 21 mal Streuselkuchen, Himbeertorte und Kaffee und einmal sauren Pressack und ein Weißbier – da zuckte nicht nur die Kellnerin sichtbar zusammen. Max bewies Charakter – auch wenn der rote Kopf vom Wirt zweimal in der Tür auftauchte. Am späten Nachmittag war man wieder zu Hause.

Als adäquate Alternative für die derzeit heimatlosen Biker erwies sich in letzter Zeit mehr und mehr der Hallerhof. Ein Dach über dem Kopf – ein lauschiger Innenhof – angenehmes Publikum und ein erlesenes Getränkeangebot – blühende Kastanienbäume – ein Maibaum (waagrecht) – ein gastliche Familie – mehr bräuchte man eigentlich nicht. Aber geben wir dem neuen Wirt vom “Butz” mal eine Chance – oder auch zwei.

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