Archiv Motorsport

Sachsentour vom 12. – 15. Juli 2007

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1500 Kilometer sind ein weiter Weg – so weit fährt man auch nach Madrid, Algier oder Istanbul. Aber die Maschinen der über zwanzig SVD-Biker rollen diese Strecke diesman durch Tschechien und Polen, vor allem aber duch die Oberlausitz in Sachsen. Außer dem Freistaat-Status haben Bayern und Sachsen zumindest eine weitere Gemeinsamkeit – sprachlich versteht man sie im Rest der Republik nur mit Mühe. Ein kleiner Unterschied: die Bayern wollen nicht anders – die Sachsen können nicht anders! Bedeutende Männer und Frauen stammen aus Sachsen und daß dieses Völkchen neben weiteren nützlichen Dinge auch den Weinbrand, den Bierdeckel, den Lodenmantel und sogar den BH erfunden hat, macht es richtig sympathisch.

Die Anreise am Donnerstag erfolgte auf tschechischer Seite über Eger, Karlsbad, Komotau, Teplitz bis an die Elbe. Schön ist es hier. Die deutsche Vergangenheit ist noch erkennbar. Nahe Bautzen liegt das “Basislager” – ein “extrem abgelegenes” aber sehr gepflegtes und komfortabel ausgestattetes Haus, das zu einer “Bildungsakademie für Führungskräfte” gehört. Daß momentan anscheinend keine Führungskraft weitergebildet werden muß, ist ein Vorteil.

Das Haus gehört den Bikern, einschließlich überdachtem Grillplatz und ausreichend Vorrat an Radeberger Pils. Auf ihrer Seite steht auch das Personal, sie werden verwöhnt, die Küche ist erwähnenswert.

Die erste Tour am nächsten Tag führt durch das engel Kirnitzschtal im “Nationalpark Sächsische Schweiz”. Eine verwunschene Welt tut sich da auf. Die schmale Straße schlängelt sich durch einen düsternen Wald riesiger Tannen, entlang einem Bach – das Wasser schwarz und unergründlich, beidseitig mächtige moosüberzogene Sandsteinblöcke. Eingesäumt von Flechten und wuchernden Farnen, kein Vogel ist zu hören, der Himmel nicht mehr zu sehen. Die Motorradler sind jederzeit bremsbereit – vermutet man doch hinter jeder Kurve zumindest die Sieben Zwerge und die muß man ja nicht unbedingt zwischen die Speichen bekommen. Das allseits propagiert regionale Highlight “Lichtenhainer Wasserfall”, welcher nur alle halbe Stunde nach bedeutungsvoller musikalische Ankündigung durch “Conquest of Paradise”, jeweils für drei Minuten die Felsen herunterpritschelt, erweist sich als liebenswerter Flop. Umso beeindruckender die nächsten Ziele: die “Bastei” im Elbsandsteingebirge und die gewaltige “Feste Königstein” hoch über der Elbe.

 

Nicht nur der vorzügliche Pflaumenkuchen aus der Festungsbäckerei – sondern auch die im breitesten Sächsisch gehaltenen Erläuterungen des Fahrers der Festungs-Bimmelbahn sind kulinarisch bzw. phonetische Leckerbissen. Allein die sächsische Version des dabei mehrfach verwendeten Wortes “Panorama” hört sich einfach umwerfend an und trägt über Stunden zur allgemeinen Heiterkeit bei.

 

Am Samstagvormittag rollen dei Dornacher mit viel Getöse in Görlitz an de deutsch/polnischen Grenze ein. Ein gutgelauntes Grüppchen der Rotwein-Fraktion, welches gerade den stündlichen Frühschoppen abhält, erkennt sie sofort als Bayern, stimmt mit rauher Kehle die Weise “FC-Bayern – Stern des Südens” an und übernimmt zuverlässig und kostenlos die Bewachung von Motorrädern und Helmen. Die Stadt mit ihren wunderschönen Amts- und Bürgerhäusern, Kirchen und Türmen wird seit Jahren mit hohem finanziellen Aufwand und viel Erfolg restauriert. Irgendwie wird man aber ein eigenartiges Gefühl nicht los. Viele Fenster in den prächtigen Fassaden sind dunkel kein Vorhang, kein Gesicht, kein Blumentopf. Die Menschen in der Innenstadt sind vorwiegend Touristen, die sich die Stadt erklären lassen. Ältere sind in der Mehrzahl. Auch in dem schönen Kaufhaus mit der beeindruckenden Jugendstil-Glaskuppel trifft man vor allem Touristen. Wohnt hier eigentlich auch jemand? Vielleicht täuscht der Eindruck ja. Als Knaller werweist sich der Besuch der Teufelsgrube “Pekelne doly”, einem Höhlen-Labyrinth mit bewegter Vergangenheit im Sandsein der Lausitzer Berge. Vermutlich im 15. Jahrhundert durch Quartzsandabbau für die heimischen Glasbläserzunft entstanden, diente es auch den Mönchen zum wohnen und beten, zur Montage von V1- und V2-Raketenteilen im II. Weltkrieg oder auch als Gemüselagerplatz. Jetzt hat ein tschechischer Motorrad-Club hier sein Domizil.

 

Die absolute Gaudi ist natürlich, daß man hier mit dem Motorrad an dieTheke der gutsortierten Bar fährt, um seine Drinks zu nehmen. Hier trifft man Hardcore-Biker aller Nationalitäten. An deren Bikes findet man alles – nur keine Schalldämpfer. Kulisse, Sound und Stimmung sind bestens. Inzwischen flimmern draußen 38° Hitze – Wolfgang kramt eine Packung ehemaliger Schokoladenkekse aus seiner schwarzen Satteltasche. Nicht mal seine besten Freunde wollen sich aus der Schachtel mit dem undefinierbaren braun-zerschmolzenen Inhalt bedienen.

 

Letzter Tag – strahlend blauer Himmel – Frühstück 6.30 Uhr – wieder sind knapp 40° avisiert – der Butz-Biergarten liegt noch sechshundert Kilometer weit weg. Bereits um neun Uhr früh donnern die siebzehn Maschinen über das “Blaue Wunder”, die Auslegerbrücke über der Elbe, hinein nach Dresden. Die Zeit drängt – das “Sightseeing!” leidet darunter. Mit dem Versprechen, zurückzukehren und sich diese so schönen wieder aufgebaute Stadt nochmals in Ruhe anzusehen, geht es hinaus auf zweihundert Kilometer heiße, öde Autobahn. Kühler Fahrtwind – was ist das? Wer schon mal von unten in einen laufenden elektrischen Händetrockner geschaut hat, weiß was gemeint ist. Irgendwann schlägt man eine Haken und biegt auf Motorrad-Traumstraßen durch die kühlen Wälder des Vogtlandes ab. Kreuzlahm und mit trockener Kehle wird endlich das kleine Städtchen Markt Neukirchen erreicht. Doch für Dieter bahnt sich eine Tragödie an – hunderfünfzig Meter vor dem rettenden Gasthaus bleibt seine Maschine bergauf mit leeren Tank stehen. Heinz, der Wirt, macht seinem Berggasthof “Heiterer Blick” alle Ehre, holt ohne Umstände einen 20 Liter-Wehrmachtskanister und Dieters Blick paßt sich dem Wirtshausschild an. Noch dreihundert Kilometer. Dornach – Gasthof Butz – 19.30 Uhr: so eben treffen die Letzten ein. Seit fast zwölf Stunden sind sie unterwegs und lassen sich müde, verschwitzt und verstaubt von harten Motorradsätteln auf noch härtere Biergartenstühle fallen. Zeit wird’s, daß für die Dornacher Biker Polsterstühle bereit gestellt werden – mindestens aber für Wolfgang und Steffen, die diese Tour mit viel Talent, Gespür und Witz ausgesucht und organisiert haben. Schön war’s!

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Leider gibt es hier keinen Bericht – nur ein paar Impressionen.

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Bitte etwas Geduld, die Bilder folgen…

 

Bericht von der Karawanken Tour 2008

“Kernöl, Speck und Schilcher” 22. bis 25. Mai 2008

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In drei Gruppen starteten sechsundzwanzig SVD-Biker zu ihrer diesjährigen großen 1400 km-Reise nach Österreich, über das Salzkammergut, die Steiermark und Kärnten, in den Triglav-Nationalpark in Slovenien und über das italienische Friaul wieder zurück. Trotz mehrmaligem Nachzählen – irgendwie blieb der Eindruck, hier zusätzlich Pankratius, Servatius, Bonifatius und anscheinend auch noch die kalte Sophie mit von der Partie zu haben. Jeweils ab tausend Höhenmeter ging’s zusätzlich ab in eine Waschküche mit zwanzig Meter Sicht und penetrantem Nieselregen. Somit war man vorerst “not amused” – aber auf Notfälle, gleich welcher Art, wie immer bestens vorbereitet. Mehrere Pullover, lange Unterhosen, Motorradkombi, Nierenwärmer und Regenkleidung hielten trocken und warm. Nur wer ganz ganz schnell mal pinkeln mußte, hatte seine liebe Not. Auch die technische Nothilfe funktionierte professionell. Beim geringsten quietschen, pfeifen, klappern – Mark war zur Stelle – mit profundem Detail-Wissen und seinem Spezialwerkzeug. Auch eine “Operation am offenen Herzen” hätte mit diesem Sortiment sicherlich kein Problem dargestellt. Der “Gamsjäger” im einsamen nebelverhangenen St.Nikolai im Sölktal war der erste Anlaufpunkt. “Hirschbraten” gab’s – speziell für die Motorradler – das hob schon mal die Stimmung. Ob gewildert, überfahren oder waidgerecht geschossen – diese Frage ließ der Wirt mit allesbedeutendem Lächeln offen. Zum Kochen brachten die Stimmung aber letztendlich Richard, der unerwartet mit einer “Diatonischen” – einer Knöpferlharmonika aus dem Wirtshaus-Fundus zünftig aufspielte und Wolfgang, der bis dato unbekanntes Show-Talent offenbarte. Gut, daß es keine weiteren Gäste gab.

Bei Nebel, Kälte und Nässe passierte man am nächsten Tag die Schneewände am Sölkpass, der erst Tage zuvor endgültig freigeräumt wurde. Dann hatte Petrus doch Erbarmen und ließ ab und zu ein Stückerl blauen Himmel sehen. Für gewohnte Kurzweil sorgte hin und wieder die satellitennavigierte GPS-Gruppe, als sie sich gerade wieder mal verfahren hatte und den beiden anderen Gruppen entgegenkam. Die kulturellen Highlights waren der Besuch der “Hundertwasser-Kirche” in Bärnbach sowie eine Führung durch das Lipizzaner-Gestüt in Piber. Sichtlich beeindruckt von Eleganz und Schönheit der edlen Tiere kletterte man dann aber doch wieder auf sein “altes Eisenpferd” und weiter ging die Reise. Kurz davor nochmals ausgiebig “naßgemacht”, fuhr man in den Hof der zweiten Unterkunft in Deutschlandsberg ein. Auch hier in einem “Buschenschank” bei Brettl-Jause und Schilcher konnte der Abend als ausgesprochen “vergnüglich” bezeichnet werden. Obwohl – schon Papst Pius VI schrieb vor über zweihundert Jahren bei einer Reise durch die Steiermark nach Wien in sein Tagebuch: “Sie haben uns rosaroten Essig vorgesetzt den sie Schilcher nannten” – und recht hatte er !!! – und offensichtlich ist die Keltermethode immer noch aktuell.

Dritter Tag – über den Seebergsattel wechselte man nach Slowenien hinüber. Bei strahlend blauem Himmel erreichte man Bled an einem malerischen See. An dessen Promenade bummelten schon die alten Habsburger. Während manche der wackeren Biker den beschaulicheren Weg durch den Nationalpark nach Kranjska Gora wählten – entschied sich eine unerschrockene Truppe, denen das Kreuz immer noch nicht weh genug tat, für den zweihundertvierzig Kilometer-Kurs um das mächtige Triglav-Massiv und über den “berüchtigten” Vrsic-Pass. Türkisblau und klar rauscht hier die Soca (Isonzo) durch eine wildzerklüftete Karstlandschaft. Das friedliche Bild läßt nicht erahnen, was sich hier vor rund 90 Jahren abgespielt hat. Alte Kanonen und Bunker am Straßenrand erinnern noch an den Wahnsinn der zwölf Isonzo-Schlachten, den blutigsten Gebirgskriegs-Gefechten überhaupt mit den vielen Tausenden Toten im 1. Weltkrieg. Den Vrsic-Pass mit achtundvierzig steilen und engen Kehren sprengten 1914 russische Kriegsgefangene unter elenden Bedingungen durch den Karst. Er erwies sich als letzte Herausforderung an diesem Tag. Will man vermeiden, sein Motorrad irgendwann auf dem Buckel talwärts zu tragen, sollte man die zwischenzeitlich blankpolierten Kopfsteinpflaster-Kehren der Nordrampe möglichst nicht bei Nässe befahren. Von einer üblen dunklen Wolkenwand durch das Soca-Tal und über den Pass getrieben, gelang der Gruppe gerade noch die trockene Überfahrt. Das war kein leichtes Unterfangen bei Langsamfahrt über die vielen tiefen Verwerfungen im Straßenbelag, durch enge hakelige Kurven und das auf bis zu 300 kg schweren vollbepackten Motorrädern. Kranjska Gora – malerisch gelegen und letzter Stützpunk, war erreicht. Bei der betörenden Auswahl slowenischer Spezialitäten aus Küche und Keller – und der Slivovitz-Batterie lösten sich die Anstrengungen der Vortage in Wohlgefallen auf – es schmeckte phantastisch.

Dann aber endlich Sonne und Wärme – die Heimfahrt der Gruppen verlief unterschiedlich. Die “Oldies” (60 – 71 Jahre) testeten ersteinmal die Glaubwürdigkeit italienischer Straßenbaubehörden auf dem Nassfeld. Ein Riesen-Schild unten im Tal mit der Aufschrift “traffico bloccato” oder so ähnlich, erwies sich nach vielen Höhenmetern kurviger Auffahrt tatsächlich als zutreffend. Aber wer kann schon italienisch. Die schweren Bikes auf enger Felsrampe wieder talwärts zu richten, gelang mit Mühe. Nach genußvollem Kurvenschaukeln durch das traumhaft schöne Lesachtal gab man auf der Felbertauernstraße endlich wieder mal richtig Gas. Abstand halten war jedoch höchstes Gebot – hirnlose, dicht auffahrende Autofahrer, Steinbrocken auf der Straße, holländische Wohnmobile usw. mußten “chamäleonartig” im Auge behalten werden. Auch war es für Harry nicht alltäglich, bei voller Fahrt plötzlich ein komplettes “Pfadfinder-Equipment” aus vielfältigsten Straßenkarten, Roadbooks, Hotelprospekten usw. um die Ohren zu bekommen. Das stammte von Richard, der vor ihm fuhr und vergessen hatte, seinen Tankrucksack zu schließen. Steffens “Iron Butt Association” – darunter auch Max (70 Jahre) schaute dagegen noch “kurz” mal hinauf zum Großglockner um nachzusehen, ob dort die Scheewände immer noch über vier Meter hoch sind und ob’s die Tatzelwurmstraße am Sudelfeld noch gibt – sie waren “gnadenlos gegen sich und das Material”. Endlich lief man mit hängender Zunge im Bräustüberl-Biergarten in Feldkirchen ein. Das erste Weißbier zischte und verdampfte augenblicklich – dann wäre den meisten eigentlich in Anbetracht ihrer so malträtierten Kehrseiten ein Stehcafe doch lieber gewesen.

Diese Reise über vier Tage war beileibe keine “Kaffeefahrt” – es ging dabei ganz schön zur Sache. Aber der Wille, die Kondition und der Teamgeist der gesamten Crew hat wieder mal gepaßt. Dazu auch noch die akribische Ausarbeitung der Tour von Joachim und Harry mit betont bikerfreundlichen Unterkünften, Lokalitäten und Preisen. Erfreulich war die Vielzahl der Mädels auf dieser Reise – damit verbunden jedoch der steile Anstieg des allabendlichen Lärmpegels in die höheren Tonlagen. Auch die Anzahl der “Pipi-Pausen” übertraf schlagartig die bisher gewohnte Häufigkeit bei weitem. Nächstes Jahr stehen 2500 Motorrad-Kilometer nach Mougins und retour über die Seealpen an – das kann ja heiter werden.

 

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Eine Tour rund um München

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Einkehr in Cafe Zauberhütte (viel Summer…) und der Eisdiele in Holzkirchen.

Bilder folgen noch.

 

 

Bericht Mougins Tour 2009

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Ein Mal Mougins und zurück – 2680 Kilometer mit dem Motorrad über alle Berge – Versuch der Beschreibung einer “unbeschreiblichen Reise”

Eine Motorradreise ins Land der Gallier – Mougins, 1.-8. Juli 2009

Reisende auf direktem Weg vom Nordkap nach Timbuktu treffen ziemlich genau auf halbem Wege auf das kleine reizende Städtchen Mougins an der Cote d’Azur. Bemerkenswert ist, dass hier Pablo Picasso längere Zeit lebte und es ihm anscheinend sehr gut gefallen hat. Dass er weiter nach Timbuktu wollte, ist eher unwahrscheinlich.

In Mougins gibt es vieles Bemerkenswerte – so auch den Motorrad-Club MPM mit seinem rührigen Jean-Jaques als “le president”. Über die Partnerschafts-Komitees in Mougins und Aschheim trudelte nun letztes Jahr seine Anfrage ein, ob es hier eventuell auch so was gäbe. Prompte Antwort zurück: “ja – es gäbe” Die Anfrage entwickelte sich zur Einladung welche die SVD-Motorsportler mit Begeisterung aufnahmen.

Jetzt war es soweit – die Wintersperren der Pässe in den französischen Seealpen waren endlich aufgehoben – dreiundzwanzig Biker machten sich in mehreren kleinen selbständigen Gruppen mit ihren hochbepackten Maschinen auf den Weg. Zugeklebt mit Vignetten und Pickerl donnerten sie auf öden deutschen, österreichischen und Schweizer Autobahnen über Bodensee – Bregenz – Chur um erst einmal “Kilometer zu machen”.

Die ersten fahrerischen Anforderungen wie Oberalppass und Furkapass im Vorderrheintal waren dann schon eher ihr Geschmack – hier trafen sie auf zugig kalten 2436 Metern auf zwei brave Schweizer im T-Shirt. Sie hatten auf einsamer Höhe einen ebenso einsamen, penetrant riechenden Käsestand – inklusive fettige Knoblauchwurst im Angebot. Biker haben grundsätzlich Hunger – kilometerlang zogen sie noch eine feinwürzige Duftschleppe aus Bergkäseknoblauchdunst über Berg und Tal hinter sich her.

Martigny an der schweizerisch-französischen Grenze – rund 540 Kilometern kernige Fahrt lag hinter ihnen. Die meisten fielen, doch nicht ohne noch ein schnelles Bierchen, grußlos in ihr Hotelbett – und schliefen schlecht.

Dann die erste Hiobsbotschaft: Erwin aus Steffens Gruppe musste zurückkehren. Seine Maschine hatte technische Probleme und war mit Bordmitteln nicht zu reparieren.

Die zweite Hiobsbotschaft: Andrea aus Steffens Gruppe ging in einer steilen Kehre der Mut zum Gas geben aus und kippte um. Lack-Kratzer an der Maschine? – wie sieht das denn aus? – so hielt sie ihr Bein dazwischen. Fortan präsentierte sie allabendlich mit hochgekrempelter Hose ihr blaumarmoriertes Schienbein inklusive strammes Wad’l. welches selbstverständlich jedes Mal allseits bewundert und wohlwollend kommentiert wurde.

Und die dritte Hiobsbotschaft: Na – von wem wohl? Bei der 2642 mtr.-Auffahrt zum Col du Galibier nahm man mit gewissem Bedauern ein zwischenzeitlich im Straßenbelag plattgewalztes Felltier zur Kenntnis. Abends, in gemütlicher Runde, wurde offenbar, dass ein todesmutiges Murmeltier eine gewagte Hechtrolle durch Steffens Vorderrad-Speichen versucht hatte. Dieser Versuch ging gründlich in die Hose. Trotzdem wurden Stimmen wie “Mörder” – “Verkehrsraudi” und ähnliches laut. Dies ließ Steffen so nicht gelten, denn: 1.) Eine Vollbremsung auf einer steilen 3 Meter breiten holperigen Pass-Straße mit einer bepackten 550 kg -Maschine ist einem Selbstmord gleichzusetzen. 2.) Murmeltiere vermehren sich zügig – und 3.) Das Tier gehörte nicht zu seiner Gruppe. Diese Argumente waren plausibel – besonders das letzte.

Interessant waren die Pfade in verlassenste und entlegenste Höhen in die sich manche verirrten und dennoch alle wieder in bewohnte Gegenden zurückfanden – so auch Wolfgang als Leader der fünfköpfigen Gruppe “Roaring Sixties”. Pässe aller Höhen und Qualitäten und mit wohlklingenden Namen wie Col de l’Iseran, Col d’Izoard, Col de Vars auf der “Route des Grandes Alpes” wurden erklommen, viele tausend Höhenmeter überwunden, Hunderte von Kurven und Kehren – bergauf und bergab mit möglichst viel Schräglage durchfahren. Der Col de la Cayolle, eine kurvige Rumpelstrecke auf 2400 mtr. hinauf – stellenweise nur noch zwei Meter breit – entlang an tiefen Schluchten und rauschenden Sturzbächen, getrennt durch ein lächerlich niedriges Mäuerlein, stellte Nerven und Schwindelfreiheit der SVD-Biker etwas auf die Probe.

Drei Tage waren die wackeren Motorradler ohne Murren nun schon unterwegs – jeden Tag bis zu zehn Stunden im Sattel – die Stimmung immer bestens – die Abende kontrolliert feuchtfröhlich. Endlich schwenkte man verschwitzt, verstaubt, übernächtig und mit zwischenzeitlich paralysierten gewissen hinteren Körperpartien auf die “Route de Napoleon” Richtung Grasse – Mougins ein. Am frühen Abend drehte mancher Hotelgast im l’ Arc Hotel Olea irritiert den Kopf – die Biker waren da.

Nach drei Tagen, überfrachtet an Erlebnissen und Eindrücken sowie 1270 gefahrenen Kilometern, war Mougins erreicht. Schnell ein kaltes Bier gezischt – Maschine versorgt – Motorradkluft aus – ab in die Dusche – verknitterte Hosen, Hemden und T-Shirts aus dem Packsack gekramt und schon war man wieder einsatzfähig für den Empfang. Einfach überwältigend – der gesamte Motorradclub MPM und wahrscheinlich auch das gesamte Partnerschafts-Komitee waren zur Begrüßung gekommen. Reden wurden gehalten – Geschenke überreicht – egal ob einer den andern verstand – es wurde gequatscht und gelacht – gegessen und getrunken. Es war einfach grandios.

Südfranzösische Gelassenheit am nächsten Tag. Als Ouvertüre – ein beschaulicher Vormittags-Bummel durch die Altstadt und ein munteres Boules-Spielchen bei allmählich steigenden Temperaturen. Wie hier gezählt wurde, blieb vielen ein Geheimnis – angeblich haben wir jedes Spiel gewonnen. Kleine aber feine Nachmittags-Motorradtouren wurden dann aber nur noch von den Härtesten gefahren. Die Strapazen der letzten Tage forderten ihren Tribut. Der Adrenalinspiegel musste endlich auf Normalwerte heruntergefahren werden – man nahm sich den Nachmittag frei – plumpste in den Pool – oder plumpste ins Bett. Die Gastgeber hatten Verständnis.

Ein voraussichtlich anstrengender Programmpunkt “Abend mit Musik und Tanz” stand bevor. Die Dämmerung brach herein – der weitläufige Garten der Musikschule in Mougins füllte sich – warm und samtig die Luft – wieder waren alle da. Langsam schob sich ein kugelrunder Mond über die Baumwipfel – ein erlesenes Buffet lud zum Geniessen und zum wortschatzabhängigen small talk ein – noch war das Konzert der Zikaden zu vernehmen. Dann schlug DJ Yves mit seiner “Soundmachine” zu. Da hielt es keinen auf den Stühlen. Aus den Boxen wummerten die Bässe – auf der Tanzfläche rockte der Bär, dass die Fetzen flogen – nicht nur die Biker liefen wieder zu Hochform auf. Manch quietschnasses Hemd verlangte danach, schnell mal ausgewunden zu werden. Achim saß auf seinem Hocker und klopfte mit seiner dicken kleinen Zeh’ die er sich an der Badewanne um 90° nach hinten gebogen hatte, den Takt dazu.

Sonntag frühmorgens – die Maschinen liefen warm – auch die Biker in ihren Lederkombis. Start nach Antibes mit “kleinem Gepäck” (Badehose und Handtuch) Beim Gewurle durch die Markthallen betörten die vielfältigen Gerüche die Sinne – ein Düfte-Mix nach Gewürzen aus aller Welt – Fisch – Käse – Rosen – Kräuter – wohlriechenden eleganten Damen – Knoblauch – Obst – Gemüse. Beeindruckend auch der kleine Rundgang durch den Yachthafen – vorbei an Dutzenden edelster, gewaltiger Motor- und Segelyachten, die polierten Ferraris an der Hafenkante geparkt – irgendwann war einem der Chiemsee dann aber doch sympathischer.

Dreissig Grad plus zeigte zwischenzeitlich das Thermometer – das Picknick in einer kleinen Bucht verbunden mit einem Hupfer in’s Meer war die Rettung. Cannes – knapp dreißig Maschinen der SVD- und MPM-Biker donnerten entlang der Flaniermeile der Reichen und Schönen – der palmengesäumten “Croisette” mit dem majestätischen Carlton-Hotel. Doch nach Reichen und Schönen hielt man nicht Ausschau – ein Getränke-Stand’l hatte in diesem Moment weit mehr Attraktivität. Den Nachmittag verbrachten die unverwüstlichen Motorradler damit, den MPM-Bikern auf ihrer Hausstrecke im hügeligen Hinterland von Mougins durch ein Kurven-Eldorado allererster Klasse zu folgen – no problem.

Zum letzten Abendessen traf man sich in einem kleinen feinen Landgasthof. Eine kuriose Episode am Rande, erzählt zu vorgerückter Stunde, sorgte noch einmal für einen enormen Heiterkeitsausbruch: Auf der SVD-Website war zu dieser Tour ein kleines Regelwerk bezüglich einer gewissen “Askese” in puncto Kondition während der An- und Abreise zu lesen. Dafür wolle man aber in Mougins “die Puppen tanzen lassen” Diese Textstelle las man auch in Mougins – und war leicht irritiert. “Mon Dieu!!” – “Puppen tanzen lassen??” – “wen hat man da eingeladen??” – “sind die Herren auch anständig??” Irgendwann wurde dies dann doch als harmlose Redewendung gedeutet. Ein Aufatmen ging durch die Reihen – man entspannte sich wieder.Den ganzen Abend wurde darüber noch gelacht.

Dann bat Richard um’s Wort. Ein Jodler mit einem Gstanzl zur Ehre unserer Gastgeber riss das Volk nochmals zu tosendem Beifall hin – seinen seit zwei Tagen allseits bewunderten Filzhut mit Saufeder, ein echter “Rischaar” – ein absolutes Unikat – riss er sich nicht nur vom Kopf sondern auch vom Herzen und überreichte ihn Patrick als kleine Anerkennung für dessen Engagement und das der MPM-Motorbiker.

Der Abschied von ihnen und den Damen und Herren des Partnerschafts-Komitees konnte fast als “herzzerreißend” bezeichnet werden. Wer nicht gerade Adressen austauschte – lag sich in den Armen. Nächstes Jahr will man sich in Dornach wiedersehen.

1300 km Heimreise – wieder über gewaltige Pässe wie den höchsten Alpenübergang Europas, den Col de la Bonette, eine Geröllwüste in 2800 Meter Höhe. Auch der Col d’Izoard – auf der Hinfahrt wegen Murenabgängen gesperrt, war wieder freigeräumt.

Nach letzter Übernachtung am malerischen Lago d’Orta startete die ebenfalls letzte 550 km Etappe – entlang der Uferstraße des Lago Maggiore – durch die zauberhaften Landschaften des Valle Mesolcina – über die Serpentinen des San Bernardino – und das alles bei blauem Himmel und Sonnenschein. Ab Bodensee war jedoch bereits dunkelstes Gewölk im Osten zu sehen – der bayerische Sommer erwartete die Heimkehrenden. Trotzdem schafften es die meisten, mehr oder weniger trocken bis Aschheim. Zum ersten mal richtig nass auf dieser Reise wurden die Dornacher – jedoch erst bei ihrer 3 km-Heimfahrt vom Schäfflerwirt.

Eine konditionell sehr anspruchsvolle – aber auch eine abenteuerliche, wunderschöne, bisher einzigartige – eigentlich unbeschreibliche Reise – das war das einhellige Fazit zu dieser Motorrad-Tour. Das Planungs- und Organisations-Team Achim, Harry, Mark und Wolfgang wollte möglichst wenig dem Zufall überlassen – es ist ihnen gelungen.

Kein einziger Unfall ist passiert – als einzige Totalausfälle waren Erwins Maschine und das Murmeltier zu beklagen. Nur eine einzige, eher selbstkritische Stimme bezüglich der äußerst eingeschränkten Gepäckmitnahme-Situation gab es: “Dös wann i g’wusst hätt’, dass mei Guzzi durchhölt, hätt’ i weniger Werkzeug – dafür a Reserve-Unterhos’n mitg’numma” – das aber war natürlich Spaß.

Neben den vielen, vielen guten Geistern, ob vom Motorrad-Club MPM oder vom Partnerschafts-Komitee, gilt ein ganz besonderer Dank Isabelle Gavory in Mougins und Charlotte Rasmussen in Aschheim für den laufenden wechselseitigen Informationsfluß und auch weiterer Hilfen. Dafür auch der Gemeinde Aschheim unser herzlichster Dank.

 

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