Archiv Motorsport

“Kurvenkonzentrat” – eine Motorradtour durch die Dolomiten

18. bis 20. Juli 2003

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Daß mit der Motorradweihe im Frühjahr auch die Option auf eine extrasonnige Biker-Saison verbunden ist, hat man insgeheim eigentlich schon erwartet. Doch sieht man sich am Freitag früh bereits bei der Abfahrt zur Großglockner-Überquerung zunehmend befremdet mit Nieselregen, Nebel und Kälte konfroniert. Neunzehn Motorsportler auf sechzehn schweren Maschinen und leichtem Gepäck sind auf dem Weg ins Land, wo die Zitronen blühen. Hoch oben auf der Franz-Josefs-Höhe am Glockner bricht aber dann doch der Sommer mit Macht herein.

Manch schweißgebadeter “Lange Unterhosen-Träger” hadert verbittert mit seiner Situation, wider besseren Wissen mal wieder brav den fürsorglichen Kälteschutzempfehlungen seiner Frau zuhause – “zieh dich ja warm an!!!” – gefolgt zu sei. Trotzdem geht’s beschwingt über viele Kehren wieder hinunter über Lienz, Toblach, durch die Sextener Dolomiten zum Misurinasee und weiter über den Tre Croci Pass nach Cortina. Türkisblaue Gewässer, sattgrüne Almen und Wälder, im Hintergrund bizarr gezackte Felsgipfel – Gedanken an eine unwirkliche Modelleisenbahn-Landschaft drängen sich auf. 440 gefahrene Kilometer zeigt der Tacho am Abend als die “müden Krieger” nach einer letzten Power-Fahrt über den wilden Giao-Pass ächzend und stocksteif endlich aus dem Sattel kraxeln. Die äußerst angenehme Klasse-Herberge an der Auffahrt zum Fedajapass ist erreicht. Die ersten Biere verzischen ohne Wirkung. Doch jeweils längere Aufenthalte in Dusche, Restaurant und auf abendlicher Terrasse bei Alpenglühen, Wein und Grappa in einer lustigen Runde reanimieren die Sinne zusehends.

Die 150 km-Tour am Samstag soll gemäßigter ablaufen. Doch die Mädels von der “Huckepack-Fraktion” trauen dem Frieden nicht – das entspannte Bad im hoteleigenen Pool und Sonne scheint ihnen verlockender zu sein. Die Entscheidung, die Rummelplatz-Atmosphäre auf der klassischen “Sella Ronda” zu meiden, fällt schwer, erweist sich aber als richtig. Bereits die Fahrt über das Pordoijoch zwischen bergauf keuchenden Reisebussen, Rennradlern, Wohnmobilen und todessüchtigen Möchtegern-Motorradrennfahrern läßt ahnen, was sich drüben am Sellajoch abspielt. Traumhaft sind dagegen die grandiosen Weit- bzw. Tiefblicke abseits auf wenig befahrene Pass-Strecken über Staulanza und Fedaja an der Nordflanke der Marmolada, spektakulär die wilde Jagd durch die steilen und engen Kurven auf dem Duran-Pass.

Schweißtreibend gestaltet sich am Sonntag die 350 km-Rückfahrt bei 37° über Campolongo-Pass und Grödnerjoch. Ein wehmütiger Blick zurück auf die gewaltigen und atemberaubenden Felsriesen der Dolomiten, dann reiht man sich ergeben ein in den Touristenstrom im Val Gardena. So schön das Tal – so grässlich der Trubel. Vorbei ist’s mit Kurvenschaukeln bis zum schwindelig werden – jetzt wird “Gummi gegeben”. Über Brenner und Achenpass geht die Reise nach Hause. Bei Innsbruck vermittelt der Fahrtwind noch bei 100 km/h den Eindruck, von einem Haarfön auf Stufe 3 angeblasen zu werden.

Eine absolute Supertour mit einer zünftigen Mannschaft aus Dornach, Aschheim, Feldkirchen und dem restlichen Bayern – das ist die einhellige Feststellung der wackeren Biker, welche sich am späten Nachmittag noch wie üblich im Biergarten beim “Butz” in Dornach zum Abschied treffen. Nicht nur sie – auch ihre “Mopeds” haben diese Tour der anspruchsvolleren Sorte mit Bravour gemeistert. Und über ein paar verlorene Schrauben an seiner lieben alten “Lizzy” aus Milwaukee regt sich Harry schon lange nicht mehr auf – er hat noch welche.

 

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Motorradweihe 2004

Sonntag frühmorgens – der Himmel grau – tierische 8° C – es regnet.

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Der echt harte Biker rumpelt dynamisch aus dem Bett, ignoriert die höfliche Nachfrage seiner Allerliebsten, ob er vielleicht “wirklich noch alle Tassen im Schrank hätte”, prüft mit stahlhartem Blick Wind und Wetter, holt seine blitzblank polierte Maschine aus der Garage und versaut sie schon mal gründlich auf regennasser Straße. Der Gottesfürchtige macht sich auf den Weg in die Kirche – die “Ungläubigen” trifft man zur gleichen Zeit mit Gleichgesinnten beim Weißwurstfrühstück beim “Butz” in der Wirtsstube – nur der Phlegmatiker haut sich noch mal in die Kissen und bleibt lieber noch ein bisserl liegen.

Sie alle sind dann aber doch pünktlich um 11:30 Uhr an der Kirche zur Motorradweihe. Motoristen jeden Alters mit ebensolchen Bikes treffen sich da – viele schon zum wiederholten Mal. PS-starkes HighTec auf zwei Rädern, “brave Arbeitspferde” mit etlichen Betriebsjahren auf dem Buckel, ehrwürdigen Oldtimer, Roller und andere liebenswerte Schnauferl stehen da in trauter Eintracht. Berührungsängste und Schüchternheiten gibt´s da nicht. “Klein – aber fein” das ist wieder die Devise dieser Zusammenkunft – einen anonymen Massenauftrieb möchte man nicht so gerne. Entsprechend persönlich und individuell hat Bernhard die Veranstaltung vorbereitet. Auch Herrn Pfarrer Maute wurde mit reichlich Text bedacht. Dieser gibt den Bikern mit seinen Worten auch dieses Mal wieder irgendwie das beruhigende Gefühl mit auf den Weg, dass der Herrgott schon mit dabei ist, wenn sie auf Tour gehen. Das bekräftigt er auch mit sichtlicher Freude und gekonntem Schwung mit dem Weihwasserpinsel – extra naß, ergiebig und weitreichend. Dann beginnt der “Schowdown” – Zündschlüssel werden herumgedreht, die Motoren von rund vierzig Maschinen brüllen auf – der Pfarrer, das SVD-Motorsport-Käppi verwegen in der Stirn, wird von sensationshungriger Presse auf einer NSU Max zum Photoshooting platziert – am Fan-Shop brummt das Geschäft. Auch der Frauen- und Mütter-Verein trägt mit einer Sonderschicht zum Gelingen bei – zur Freude aller sind ihre kleinen, weißblau gebundenen Buchsbaum-Büscherl da und werden vorne an den Maschinen befestigt. Nur Bernd mag nicht – die Bremswirkung dieser grünen Zierde könnte zu hoch sein (?!).

Nach der Parade durch den Ort und diverse gemeindeeigene Kreisel werden dann “die Gase reingeschoben” – und ab geht´s mit Karacho über die Dörfer in Richtung Chiemsee. Dieter und Harry haben die Tour gut gewählt – nur vier Ampeln auf 160 km – das gibt´s normalerweise nur in der Sahara. Mit viel Schräglage durch viele Kurven, bergauf und bergab, knapp vorbei an dampfenden Misthaufen mit dunkelbraun glänzenden Odellacken – wehe dem, der hier die Kontrolle über seine Maschine verliert. Sechs Kilometer vor dem rettenden Gut Kronberg bei Amerang ist es soweit – die dunklen Wolken mit eisigkaltem heftigen Regen sind endlich eingeholt. Eine warme Wirtsstube und viel heißer Kaffee, Tee und Capuccino reaktivieren die Lebensgeister der fünfundzwanzig Biker für die Rückfahrt.

Ein gelungener Auftakt in die Saison 2004 – das ist trotzdem das gleichlautende Fazit beim traditionellen Weißbier-Ausklang im heimatlichen Dornach. Steffi legte mit Bravour ihr Debüt bei schwierigen Verhältnissen auf der Langstrecke ab. Susi brach sogar den bisherigen Rekord der Harley-Fahrer – sie blieb mit ihrer Kawa bereits nach 140 km Fahrt mit leerem Tank stehen. Und Jürgen – er testete mit Erfolg seine nagelneuen Motorradstiefel. Bei Regen lösen sich an beiden Stiefeln sauber und rückstandslos die Sohlen – somit lässt sich das Oberleder hoch bis zu Knie ziehen – man fährt zwar anschließend in Socken aber das Leder wird vor Nässe geschont. Toll !!! – aber braucht man so was wirklich ???

 

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Motorradtour durch die Dolomiten

16. bis 18. Juli 2004

 

Aufgepackt, vollgetankt (!!) und ausgerüstet für jedes Wetter – so startete am Freitag frühmorgens wieder eine vielköpfige Schar Motorsportler auf zwanzig Maschinen in zwei Gruppen nach Süden.
Eine gemütliche Kaffeefahrt? Nein, das war auch die diesjährige große Dolomitentour mit Sicherheit nicht. Bis zu 1300 km zeigten vereinzelte Tacho-Stände am Ende dieses verlängerten Wochenendes. Das Motorradfahren in dieser Region inmitten einer so gewaltigen Kulisse ist einfach zu reizvoll. Daß hier einige bereits von einer 100 km-Tour im Morgengrauen um die “Sella Ronda” zurück kamen während andere gerade das Frühstücksei aufklopften, war nicht verwunderlich.

Die Anfahrt über Garmisch, das Ötztal und hinauf auf 2500 Meter über das Timmelsjoch fand noch bei Sonne und blauem Himmel statt. Am Jaufenpass und in Abständen bis hinüber zum Fedajapass ereilte die tapferen Biker dann doch ausgiebig das nasse Schicksal. Die wilde Entschlossenheit der Mädels, sich trotzdem auch mal gemütlich in die Sonne zu legen, zeigte Wirkung. Am Samstag war dann richtig Sommer – was man dann auch ausgiebig nutzte.

160 km wollte man fahren – 240 km ist man gefahren – und weil manche unbedingt schnell noch den Manghen-Pass fahren mußten warten es halt 420 km. Vielleicht waren die diesjährigen Wetterkapriolen die Ursache dafür, daß die Straßen weitgehend frei von ungeübten Schönwetterfahrern und sich selbst überschätzenden Möchtegern-Rennfahrern waren. Trotzdem mußte man auf den einzelnen Pass-Stecken höllisch aufpassen. Kuhfladen auf der Ideallinie bei Schräglage, damit mußte man immer rechnen – mit einem bergab preschenden Köter eher weniger. Doch wenn einem in über 1500 Meter Höhe in einer unübersichtlichen Kurvenfolge noch eine junge Mama mit Kinderwagen auf gleicher Spur entgegen kommt – das treibt einem schon ganz kurz mal die Augen aus den Höhlen. Die Kondition der Gruppe war wieder einmal beachtlich – sogar zu einem längeren Fußmarsch durch die wildromantische Sottoguda-Schlucht hatte man noch richtig Lust.

Über Falzarego- und Valparolo-Pass führte am Sonntag bei Traumwetter der Rückweg. Unscheinbar und winzig klein fühlte man sich inmitten der gewaltigen Felsmassen um den Lagazoi. Eng und winkelig erwies sich als letzte Pass-Straße das Würzjoch. Spiegel einklappen, die Ohren anlegen und auf wenig Gegenverkehr hoffen – das war hier empfehlenswert. Pausen und Tankstops waren straff organisiert. Die ausgestreckten Finger an Dieters Hand und der Aufdruck auf Harrys T-Shirt “Gentlemen – Start your engines!” gaben Auskunft, wie lange noch Zeit war um mal pinkeln zu gehen, ein Zigaretterl zu rauchen, die Wasserflasche rauszukramen oder sich den Mund mit Alexandras Gummibärli vollzustopfen.

Der Pizza-Stop in der “Sachsenklemme” bei Sterzing jedoch ist ein absolutes Muß für jeden ehrlichen Biker auf dem Weg von oder nach Süden. Hier spielt Zeit eine untergeordnete Rolle. Auch eine Kaffeepause am Kochelsee wollte man sich noch gönnen – doch ein unerwarteter recht intensiver Gewitterregen ließ die wackeren Motorradler dann endgültig durchstarten.

Bernhard sah es als Ehrensache, die müde und aufgeweichte Truppe noch zu einem Gratulationsumweg einschließlich Motorradkorso und Hupkonzert über die Keplerstraße in Aschheim zu veranlassen. Sollte die so Geehrte die lautstarken Ovationen durch geschlossene Motorradhelme nur als “almpfgumpfzumpfgebumpftampf” verstanden haben – es sollte “Alles Gute zum Geburtstag” heißen.

 

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Bodensee Tour 2005

Motorradtour um den Bodensee vom 08. – 10. Juli

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Diese 3 Tage-Tour war nach der Schlauchbootfahrt auf der Alz die zweite große Wassersportveranstaltung in diesem Jahr.

In zwei Gruppen starteten siebenundzwanzig Motorsportler auf vierundzwanzig Maschinen zu der jährlichen 1000 km-Tour. Leider richtete sich das Wetter nicht nach der Wettervorhersage – eine um die andere graue Regenwand rauschten am Freitag und am Sonntag abwechselnd intensiv über die wackeren Biker hinweg. Gerade auf den letzten fünfzig Kilometern der Heimfahrt – wo zwischen Blitz und Donner nicht mehr zu unterscheiden war, aus welcher Richtung man mit Wasser begossen wurde – kam der drängende Wunsch nach einer Schwimmweste auf.

Die traumhaften Landschaften in den Lechtaler Alpen, im Montafon und an der Silvretta Hochalpenstraße konnten im tristen Grau nur erahnt werden. Dazwischen gab es aber auch jede Menge Lichtblicke und vor allem einen überaus freundlichen und sonnigen Samstag.
Mitten drin war man am Hochtannbergpass bei der “Sivretta Classic-Rallye” vorwiegend britischer Automobile aus längst vergangenen Zeiten. Das waren noch echte Sportwagen mit Charakter – mit denen haben die “weichgespülten” Boulevard-Flitzer der Gegenwart nichts mehr gemeinsam.

Im 4 Sterne-Stützpunkthotel auf 1600 mtr. in Oberdamüls war man bestens aufgehoben. Von hier aus starteten die Gruppen ihre Touren durch den Bregenzer Wald zum gemeinsamen Ziel in der Schweiz – dem idyllischen Ort – Stein am Rhein.

Der übliche “kulturelle” Aspekt einer jeden SVD-Motorradreise erschöpfte sich dieses Mal im Besuch von zweihundert freilaufenden Berberaffen auf dem “Affenberg” bei Salem. Eine anschließende kurze Anwesenheitskontrolle verlief positiv – keine Verluste.
Ob der Abkürzer mit der Fähre von Meersburg nach Konstanz oder die unterschiedlichen Routen um den Zellersee und auf der Schweizer Bodenseeseite zurück zum Hotel – jede Strecke hatte ihre eigenen Reize. Ihren Karten und ihrem Gefühl vertrauend, tuckerten die einen schnörkellos und easy durch die Lande – wogegen die satellitengesteuerte GPS-Fraktion trotz regem Funkverkehr untereinander hin und wieder verdutzt festellte, den einen oder anderen Weg fünf Minuten vorhehr schon einmal gefahren zu sein.

Es war spät geworden, 120 Kilometer waren weit und so wurde kräftig Gas gegeben. Denn einen Koch unnötig zu reizen, der extra mit dem Abendessen wartet – das kann in’s Auge gehen.
Auch Geburtskind Susi wurde noch mit Bussi Bussi, Cocktail extrabunt, Minifeuerwerk und Girlande bedacht – da hat sie sich gefreut. Sonntag früh wurde aufgesattelt für die Heimreise.

Hochinteressant ist immer der Inhalt mancher Packtaschen. Wo eigentlich Zahnbürstl, Werkzeug, Ausrüstung, Öldosen, Unterhosen oder Poliermittel vermutet werden, findet sich z.B. bei Max eine taschenfüllende Turnierpackung Schokoriegel verschiedenster Geschmacksrichtungen, Nußkekse, Gummibärli und ähnliche “Plombenzieher” – fein säuberlich aufgereiht und nach Alphabet geordnet.

“Am Tag als der Regen kam” – die olle Kamelle aus Jo’s Bordradio vermittelte bereits düstere Vorahnungen auf die bevorstehende Fahrt und so versuchte jeder krampfhaft, sich selbst hermetisch gegen jeglichen Wassereinbruch zu versiegeln. Es ist nicht jedem gelungen.
Unfallfrei und unverletzt, ohne Maschinenschäden, leicht durchfeuchtet, klamm und durchgefroren – aber durchwegs guter Dinge kletterten alle nach vielstündiger anstrengender Fahrt zuhause wieder von ihren Maschinen.

Während der eine oder andere grußlos ins Bett fiel, trafen sich die meisten beim Butz in der Wirtsstube wieder – da war es auch schön warm.

 

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Zillertaler Höhenstraße – es brauchte drei Anläufe…

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Gänsebraten – Motorradtour vom 15- bis 18.Juni 2006

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Irgendwann, vor vielen Jahren war es da: das Gerücht von dem kleinen Dorf – irgendwo im Osten – wo die Frauen nach uralten Rezepten in gebrannten Lehmbratpfannen den ultimativen “Ganslbraten” zubereiten. Dazu gebratene Gänseleber mit einerm unvergleichlich zarten Geschmack, köstliche, auf der Herdplatte gebackene Kartoffelfladen und dazu selbsteingelegte Gurken und Paprika. Den Wienern war das “Ganslbraten-Mekka” schon seit dem 1.Weltkrieg bekannt – mit dem Fiaker sind sie angeblich schon dorthin gefahren. Gesagt haben sie nix – so erfuhren es die Dornacher erst heute und den Feinschmeckern unter den SVD-Bikern glänzten die Augen.

Harry und Dieter knüpften umgehend die Kontakte – eine vielzahl Gemeindebürger mit westslawischen Sprachkenntnissen aus Dornach und Aschheim wurden erfolgreich in die umfangreichen Vorbereitungen eingebunden. Zwar ist so ein fetter Vogel nicht gerade Hauptbestandteil einer frühsommerlichen Strandfigur-Diät – aber der Gedanke daran wurde mehr und mehr zwanghaft.

So bepackten nun vierundzwanzig Motorsportler ihre Maschinen, nebst Werkstattbus für alle Fälle, zu einer 1500 km-Tour. Joachims ausgeprägt gestörtes Verhältnis zu österreichischer Autobahnbenutzungsgebühr bescherte der Truppe eine überaus reizvolle Tour entlang dem tschechischen Grenzgebiet. Mit der Zeitreise durch ein Schmuckstück mitteleuropäischer Renaissance und Barock-Zeit, dem ehemaligen Böhmisch Krumau, war der traditionelle Aspekt von SVD-Motorradreisen wieder einmal mehr als erfüllt. Die Besatzung des Versorgers war aus Zeitgründen weniger an einer Fahrt durch das südmährische Outback interessiert – sie kaufte sich ein Pickerl und bretterte einen Tag später auf der Autobahn in Richtung Bratislava in die Slowakische Republik.

Unterdessen reisten die Biker auf der “Karpaten-Weinstraße” an. Vereinbarter Treffpunkt war die Hotelbar in Slovensky Grob zum Begrüßungsschnaps namens “Borowitschka”.
Jedoch eine uralte slowakische Weisheit sagt: “Fremder – trinkst du am Montag mit einem Slowaken Borovicka – glaubst du am Dienstag, zu sterben. Trinkst du am Mittwoch mit einem Slowaken abermals Borovicka, bereust du am Donnerstag zutiefst, am Dienstag nicht schon gestorben zu sein”.
So verzichtete man auf den “Schädelsprenger”, legte das Besteck zur Seite, schloß die Augen und gab sich von Herzen und fettigen Fingern den Gänsebraten-Spezialitäten, den vorzüglichen Weinen und den nicht minder edlen Bieren hin.

Samstag früh wurden dann die Maschinen zur Heimreise gestartet. Die satellitengestützte GPS-Fraktion bekam den üblichen Halbstunden-Vorsprung, da diese in ebenso üblicher Regelmäßigkeit hoffnungslos vom richtigen Weg abkamen. Die andere Gruppe mit veralteter Landkarten-Navigation verfuhr sich ebenso oft – nur sie merkte es früher.
Absolut hilfreich war der Tipp von Klaus, der irgendwo – 600 km von Zuhause weg – einen niedlichen kleinen Taschenkompass zückte und einer fröhlichen Gesellschaft verkündete, daß nun die Hauptrichtung “Südwesten” einzuhalten wäre. Und Recht hatte er – in diese Richtung ging dann auch die zweitägige Rückreise durch das Burgenland – vorbei am Neusiedlersee – wechselte von der “Rotweinstraße” auf die “Steirische Eisenstraße”. Ein letzter Hotelaufenthalt nahe der beeindruckenden Basilika “Mariazell” zeichnete sich weniger durch den Zimmerkomfort als durch eine phantastische Küche aus. Auch der Marillengeist war von erlesener Qualität. Die Nacht war lang – für einige Wenige – um hier keine Namen zu nennen.

Weiter ging es auf traumhaften Motorrad-Routen durch das Wildalpener Salzatal, ein Eldorado für Biker und Kajakfahrer – durch das “Gesäuse”, einer schluchtartigen und verwundenen Talstrecke entlang der Enns – hinein in die Bilderbuchlandschaften an der Österreichischen Romantikstraße im Salzkammergut.

Es war eine Reise für die Sinne – aber auch der gegenüberliegende Körperteil kam nicht zu kurz. Wacker und klaglos hielten sich die Mädels. Während sich Alexandra und Heidi als Sozia in ihren motorisierten “Bequem-Möbeln” lümmelten, hielt Barbara dagegen auf härterem Gestühl aus. Ihre Bemühungen, vom Rücksitz aus alles Mögliche, auch hinter sich, zu fotographieren, könnte unter “Akrobatik auf höchstem Niveau” eingeordnet werden. Sabine und Susi jagten ihre Maschinen souverän selbst über die gesamte Distanz. Den “ruhenden Pol im Bus” bildete Cristel – heuschnupfengeplagt aber selig schlummernd zwischen Gepäck und Ausrüstung – während Marianne die undankbare Aufgabe übernahm, hin und wieder die fehlerhaften Richtungsvorgaben eines rechthaberischen Copiloten an den Fahrer zu korrigieren.

Am Sonntag spät nachmittag lief Gruppe 2 nach 1378 gefahrenen Kilometern und bei 45°C Asphalttemperatur wohlbehalten wieder in Dornach beim “Butz” ein. Ein kühles Bier in einem kühlen Biergarten unter einem Kastanienbaum – danach hatte man sich seit vielen Stunden gesehnt. GPS-Gruppe 1 folgte etwas später und war 1428 Kilometer gefahren – wahrscheinlich hatte sich sich wieder irgendwo verirrt

Nächstes Jahr werden wie wieder fahren!

 

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Pralinentour – klein aber fein

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Für Asketen war die diesjährige Motorsport-Saison bisher eine mittlere Katastrophe. Daß das Tourenprogramm in absolut keinen, wie auch immer gearteten Diätplan einzuordnen war, interessierte die Dornacher Biker jedoch nicht im Geringsten. Im Gegenteil – nach der “fetten” Gänsebraten- Motorradtour im Frühsommer genehmigte man sich zum Nachtisch am vergangenen Samstag den Besuch einer kleinen Confiserie in Rott am Inn mit Betriebsführung und Verkostung feinster Pralinen und edler Schokoladen.

Da man dorthin notfalls auch mit dem Radl fahren kann, mussten schon eine ganze Menge Haken geschlagen werden um eine halbwegs vernünftige Motorradtour zusammen zu bringen. Dazu bietet aber auch das Chiemgau mit herrlichen Kurvenstrecken durch eine zauberhafte Hügellandschaft die besten Voraussetzungen. Pünktlich begann die Führung, exclusiv für die fünfzehn SVD-Motorradler. Die enormen Heiterkeitsausbrüche waren durch die hygienebedingte Ausstattung der Truppe mit weißem Mäntelchen und kleidsamem Häubchen vorprogrammiert. Irgendwie erinnerte die Szenerie an einen Betriebsausflug einer Lohnschlächter-Brigade von Südfleisch. Die Erklärungen des Firmeninhabers zur Herstellungen seiner vielfältigsten Schokoladenköstlichkeiten, welche auch in den Regalen von Dallmayer und Käfer zu finden sind, waren mehr als eindrucksvoll – angenehm aufgelockert natürlich durch laufende Pralinen-Proben der verschiedensten Geschmacksrichtungen. Verzückt und schweigend, mit geschlossenen Augen gaben sich die Mädels den einzelnen Genüssen hin – während der, über dergleichen Gefühlsausbrüche erhabene Biker mit einem doch sehr anerkennenden “Mhm” schon verstohlen nach der nächsten Kostprobe Ausschau hielt. Wie so etwas – aus welcher Zusammensetzung und vor allem – was man aus Schokolade und Marzipan alles herstellen kann – verblüffte sogar Joachim mit seinem reichhaltigen Erfahrungswissen bzgl. Essbarem.

Das Eintrittsgeld wurde in Form einer feinen Pralinen-Mischung wieder erstattet. Wer seine Erfüllung in Bezug auf Schokoladen-Hochgenuß im Verzehr einer Tafel BLOCK-Schokolade sieht – sollte dabei bleiben. Wer aber einmal die feinen Unterschiede in Frische, zartem Schmelz, Konsistenz und köstlichen Aromen kennen lernen und erleben möchte oder nach individuellen Geschenk-Ideen mit Stil sucht – sollte einmal, nicht nur wegen der schönen Gegend, nach Rott fahren – die Überraschung ist garantiert. Harry hatte sein Auto und einen Kühlkoffer dabei – somit gestaltete sich der Pralinen-Transport zurück nach Dornach problemlos – noch eine ganze Zeitlang hörte man aus einem Garten am Schmidweg neben vielfältigem Motorengegrummel auch das herzerfrischende “Plopp” der “Flens”-Bügelverschlußflaschen in der samstagnachmittäglichen Ruhe – eine so lustige Tour und auch Steffens Idee dazu musste doch gebührend gewürdigt und gefeiert werden.

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