Seniorenausflug der „Glorreichen 7“ durch den Balkan

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Wieder hatten sie ihre Motorräder bepackt – wie professionell, das stellte sich unterwegs heraus, als der Inhalt einer offenen Duschbad-Flasche in der Gepäckrolle für herbfrischen Duft für den Mann sorgte und sich aus einem undichten Kanister bestes Reserve-Getriebeöl gleichmäßig im Seitenkoffer verteilte.  Für die Betroffenen lästig, trägt aber so etwas beim Rest der Truppe immens zur allgemeinen Heiterkeit bei.

Der Maschinen-Check verlief positiv  – die Männer waren fit – Diclofenac und ähnliche altersspezifische Pillen waren in ausreichenden Mengen gebunkert. Somit perfekt ausgerüstet und präpariert schwang sich die siebenköpfige Altherren-Crew relativ locker in die Sättel ihrer schweren BMW- und Harley Davidson-Maschinen. Vorhandene Ehefrauen, Kinder und Enkel wurden geküsst – die Reise konnte beginnen.

Eigentlich wollten sie es dieses Mal etwas ruhiger angehen lassen, doch letztendlich standen nach vierzehn Tagen wieder um die dreitausend Kilometer auf dem Kilometerzähler. Traumhafte Motorrad-Strecken führten vorbei an den Seen im Salzkammergut quer durch Österreich über Wildalpen und Seebergsattel Richtung Südosten. Erster längerer Aufenthalt war Heviz, kurz vor dem Plattensee, in einer gemütlichen, gepflegten Hotelanlage. Abgekämpft und verschwitzt kletterten Sie von den Maschinen und wurden gleich als erstes von einem kleinen Herrn aus Luxemburg angeblafft.  Sie würden just auf seinem Parkplatz  stehen (weil er dort jedes Jahr parkt). Unter welche Spießer war man denn hier geraten ? Die Situation war schnell gütlich geklärt – die Biker nickten ihm täglich vom Pool aus mit ihren Weingläsern in der Hand zu, während er mit seiner mäßig attraktiven Frau spazieren gehen musste. Recht geschah ihm.

Nach ausgedehnten Exkursionen per Motorrad und Schiff um und über den See brachen sie nach drei Tagen Richtung Süden auf. Auf zermürbenden Hoppelstraßen ging’s viele, viele Kilometer quer durch Ungarn um abends in Sisak in Mittelkroatien Unterkunft zu suchen. Stünden nicht immer wieder, von unzähligen Einschusslöchern aller Kaliber durchsiebte Häuser an der Straße –  die friedliche kleine Stadt an der Kupa ließe nicht vermuten, was sich hier vor zwanzig Jahren während des Kroatienkrieges abgespielt hat. Die prächtig blühenden Rosenbüsche vor den Ruinen geben einen eigentümlichen Kontrast. Hier erlag auch der deutsche Journalist Egon Scotland seiner Schussverletzung.

Erstmals wurde nun die Dichtigkeit der Regenkombis geprüft. Doch auch bei Schlechtwetter präsentiert der Nationalpark um die Plitvicer Seen eine grandiose Landschaft. Zu Fuß und per Fähre erkundeten die wackeren Biker inmitten zahlloser japanischer Touristen dieses schöne Fleckchen Erde. Vor wilden freilaufenden Bären wurde gewarnt – weitaus furchterregender empfand man jedoch den Wutausbruch einer fernöstlichen Reiseleiterin über zwei Damen ihrer Reisegruppe. Diese hatten anscheinend das strenge  Pinkelzeitreglement ignoriert. Das Schiff sollte längst ablegen. Mit lautstarken Durchhalteparolen unterstützten die Motorradler von Bord aus die mit hängender Zunge herankeuchenden schon älteren Mädels. Dafür wurden sie von der Chefjapanerin mit tiefster Verachtung gestraft. Irgendwie war jeder froh, in diesem Fall kein Japaner zu sein.  

Zunehmend starker Wind begleitete sie nun auf ihrer kehrenreichen Route hinauf zu den Gipfeln im Mala Kapela-Gebirge. Dann lag es weit unten vor ihnen – das Meer. Bei Senj trafen sie auf die Küstenmagistrale. Überfallartige enorme Windböen der Bora gestalteten das Queren vom Festland über die weit gespannte Krk-Brücke auf die Insel nicht ganz einfach. „Högschte Konzentration“ war angesagt. Die gesamte Strecke durch das Gebirge wurde Stunden später für LKW und Motorräder gesperrt. Wieder mal Glück gehabt.

Mit der Fähre setzten die unverdrossenen Biker nun auf die Insel Cres über. Weißer Karst, herrliches Kurvenschwingen entlang am türkisblauen Meer, hoch in den Lüften kreisende Adler – das war der Weg hinunter nach Mali Losinj. Der Ort selbst malerisch gelegen, laut und quirlig. Die Eckkneipe mit Fernseher inkl. kroatischer WM-Übertragung ideal gelegen. Die Unterkunft mit etwas verblichenem Charme – zwar zu teuer, dafür mitten im Geschehen. Die hausgemachten Spezialitäten zum Frühstück einfach umwerfend. Zusammen genommen genau das Richtige für die strapazierten SVD-Biker. Zudem war die Tochter des Hauses ein schönes Kind.

Es war an der Zeit, den Rückweg anzutreten. Im Norden von Cres setzt die Fähre nach Plomin auf Istrien über. Von dort führte die Piste weiter über Pazin quer durch’s Land nach Vrsar, Nähe Rovinj. Nach täglich acht bis zehn Stunden im Sattel hatten sie sich das verdient: vier Tage relaxen – in einer gepflegten Ferienanlage mit Pool und umfangreichem Frühstücksbuffet  –  mit einem kleinen Hafen zum Bummeln – mit vorzüglichen Restaurants und köstlichem Eis aus der Tüte – in der Vormittagskühle durchs Land tuckern – danach das Bad in Pool und Meer  – alles vorab gebucht – das war es, wovon sie schon so lange träumten. Die gebratenen Schweine in den Konoba-Grills an der Straße luden zum Halt ein – wer Hammel bestellte, den bestrafte der Hammel. Er schmeckte nicht gut.

Nach hellem Sonnenschein der letzten Tage wurde es bei der Rückreise durch Slowenien zunehmend finster. Zuerst bei einer Tour durch die Stalaktiten-Welt der berühmten Adelsberger Grotte in Postojna – danach rabenschwarz  in den Bergen Richtung Predilpass nach Italien. Ein noch nie erlebter Gewittersturm beendete die Wohlfühlstimmung abrupt. Blitz und Donner – Prasselregen, aber hallo – kein Unterschlupf und noch zehn Kilometer zu fahren. Im dritten Gang, ohne Sicht, die Maschine krampfhaft in der Balance haltend, kämpften sie sich bis Bovec durch. Eine Unterkunft wurde gesucht und gefunden – die Klamotten zum Trocknen aufgehängt – hundert Meter Klopapier in die nassen Stiefel gestopft – und schon saß man wieder gut gelaunt in geschützter Position beim Feierabendbier. Das gönnten sie sich auch eineinhalb Tage später nach entspannter Fahrt durch Friaul, Kärnten und Steiermark als sie letztendlich am Fliegerbräu in Feldkirchen die Zündschlüssel abzogen. Braun gebrannt, zufrieden und guter Dinge hoben sie ihre Weißbiergläser. Und der Blick in die Runde ließ erkennen – ihren Zündschlüssel wollen sie noch lange nicht abgeben.

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