4 Tage-Motorradtour ins Saarland vom 17. bis 20. Mai 2012

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Der handelsübliche Motor-Biker zeichnet sich in der Regel nicht durch Empfindsamkeit aus. Auch mit einer “eisheiligen kalten Sophie” hat er eigentlich kein Problem. Wenn sie wenigstens nur “kalt” gewesen wäre. Nein – dieses Mal war sie “antarktisch” – und wenn ihnen am Donnerstag früh um 7.00 Uhr zwischen Dornach und Aschheim die ersten Pinguine entgegen gekommen wären, hätten sich die SVD- Motorradler nicht sonderlich gewundert.

Sie starteten gerade auf achtundzwanzig Maschinen, aufgeteilt in fünf Gruppen, ihre große Tour in Richtung Luxemburg. Erster Stop in Augsburg – die klammen Finger wurden gerade gebogen und somit von den Lenkergriffen gelöst. Zweiter Stop in Ulm – während die BMW-Fahrer an der Tankstellen-Kaffeetheke lümmelten und über ihre Griffheizungen plauderten, krallten sich die Puristen ohne diesen Luxus am heißen Kaffebecher fest. Die Tränen in den Augen waren unwegwischbar – sie waren festgefroren. Doch dann sorgte die Morgensonne für “kuschelige” zwölf Grad – die Sache machte allmählich wieder Spaß. Die muntere Fahrt führte über die Schwäbische Alb – die Neuschneereste waren eben zerschmolzen – den Kraichgau, durch die Winelands um den Pfälzer Wald, vorbei an den Trifelser Burgen hinein in das Heimatland von Heinz Becker – das Saarland. Bei Saarlouis wurde Quartier für die nächsten Tage bezogen. Über fünfhundert Kilometer Fahrt und zehn Stunden im Sattel sind jedoch kein Grund, nicht nochmal richtig “auf den Pudding zu hauen” bevor man ermattet ins Bett fiel.

In den nächsten beiden Tagen durchkurvten die einzelnen Gruppen über rund vierhundert Kilometer nach eigenem Ermessen das Land. Man traf sich immer wieder einmal – ob in Saarburg mit seiner mächtigen Burgruine, der Altstadt von Luxembourg, im geschichtsträchtigen Trier, in Saarlouis, an der großen Saarschleife, vor allem aber beim Kurvenschaukeln durch das Müllerthal in der kleinen Luxemburger Schweiz.

Es waren ohne Ausnahme überaus lohnende Ziele. Hügeliges Bauernland mit Wiesen, leuchtenden Rapsfeldern, Äckern, Weinbergen und Wäldern entlang der Saar stehen optisch im krassen Kontrast zum Saar-Revier nebenan. Gewaltige Dampfwolken über Kraftwerks-Kühltürmen, einsame Fördertürme des Kohlebergbaus, rauchende hohe Fabrikschlote, Hartstein-Tagebaugruben, lärmende Stahlwerke und Eisengießereien prägen das Bild, verbunden mit einem eigenen Geruch. Das ist eine andere Welt, welche dem braven Biker aus dem Landkreis München eher fremd ist. Irgendwann hat man ja sicher vor grauer Vorzeit im üblichen Erdkunde-Wachkoma dem Lehrer zum Thema Hochofen und Stahlgewinnung zugehört. Jetzt waren sie nicht nur dabei – jetzt waren sie mitten drin. Die Dreistunden-Führung durch das Weltkulturerbe “Völklinger Hütte” war ein einziges faszinierendes Abenteuer. Bis auf die Gichtbühnen der Hochofenanlage in der stillgelegten Roheisenproduktion in knapp dreissig Metern luftiger Höhe kletterten sie auf schmalen Treppen hinauf. Diesmal hörten sie äußerst interessiert dem Werksführer zu. Die Abende wiederum gestalteten sich wiederholt feuchtfröhlich, zumal Reiner mittels exzellenter Kontakte auch schnell mal einen kompletten Linienbus für einen Fahrt zum Essen nach Saarlouis und zurück zum Nulltarif aus dem Hut zauberte.

Der letzte Abend hätte so schön sein können. Im Hotel fand eine türkische Verlobung auf türkisch mit vollem türkischem Programm statt. Die Biker waren sogar dazu eingeladen – sie freuten sich darauf. Vorher wollte man sich aber noch dieses “Champions-League-Finale dahoam” ansehen. Fazit: Die türkische Verlobung mußte ohne SVD-Beteiligung stattfinden. Ob das Paar glücklich wird, steht nun in den Sternen. Die Biker hingen auf alle Fälle unglücklich an der Bar oder legten sich unglücklich ins Bett.

Die Heimreise am Sonntag bei Superwetter gestaltete sich vielfältig. Ob über einen Abstecher ins französische Lothringen mit Flohmarktbesuch, über die Schwarzwald-Hochstraße oder sonstige Pfade in Richtung Bayern – das Ziel war das Gleiche. Neun Stunden und rund 500 Kilometer später liefen die Gruppen in kurzen Abständen mit malträtierten Sitzmuskeln und erheblichem Kreuzweh aber sonst wohlbehalten wieder im Aschheimer Monsalvy ein. Schön war’s und lustig war’s dank einer perfekten Planung und Organisation in Verbindung mit zweiunddreissig zünftigen Motorradfahrern. Und was würde Heinz Becker zum Bayern-Spiel sagen ?: “joh geh fodd”

 

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