Motorradweihe 2004

Sonntag frühmorgens – der Himmel grau – tierische 8° C – es regnet.

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Der echt harte Biker rumpelt dynamisch aus dem Bett, ignoriert die höfliche Nachfrage seiner Allerliebsten, ob er vielleicht „wirklich noch alle Tassen im Schrank hätte“, prüft mit stahlhartem Blick Wind und Wetter, holt seine blitzblank polierte Maschine aus der Garage und versaut sie schon mal gründlich auf regennasser Straße. Der Gottesfürchtige macht sich auf den Weg in die Kirche – die „Ungläubigen“ trifft man zur gleichen Zeit mit Gleichgesinnten beim Weißwurstfrühstück beim „Butz“ in der Wirtsstube – nur der Phlegmatiker haut sich noch mal in die Kissen und bleibt lieber noch ein bisserl liegen.

Sie alle sind dann aber doch pünktlich um 11:30 Uhr an der Kirche zur Motorradweihe. Motoristen jeden Alters mit ebensolchen Bikes treffen sich da – viele schon zum wiederholten Mal. PS-starkes HighTec auf zwei Rädern, „brave Arbeitspferde“ mit etlichen Betriebsjahren auf dem Buckel, ehrwürdigen Oldtimer, Roller und andere liebenswerte Schnauferl stehen da in trauter Eintracht. Berührungsängste und Schüchternheiten gibt´s da nicht. „Klein – aber fein“ das ist wieder die Devise dieser Zusammenkunft – einen anonymen Massenauftrieb möchte man nicht so gerne. Entsprechend persönlich und individuell hat Bernhard die Veranstaltung vorbereitet. Auch Herrn Pfarrer Maute wurde mit reichlich Text bedacht. Dieser gibt den Bikern mit seinen Worten auch dieses Mal wieder irgendwie das beruhigende Gefühl mit auf den Weg, dass der Herrgott schon mit dabei ist, wenn sie auf Tour gehen. Das bekräftigt er auch mit sichtlicher Freude und gekonntem Schwung mit dem Weihwasserpinsel – extra naß, ergiebig und weitreichend. Dann beginnt der „Schowdown“ – Zündschlüssel werden herumgedreht, die Motoren von rund vierzig Maschinen brüllen auf – der Pfarrer, das SVD-Motorsport-Käppi verwegen in der Stirn, wird von sensationshungriger Presse auf einer NSU Max zum Photoshooting platziert – am Fan-Shop brummt das Geschäft. Auch der Frauen- und Mütter-Verein trägt mit einer Sonderschicht zum Gelingen bei – zur Freude aller sind ihre kleinen, weißblau gebundenen Buchsbaum-Büscherl da und werden vorne an den Maschinen befestigt. Nur Bernd mag nicht – die Bremswirkung dieser grünen Zierde könnte zu hoch sein (?!).

Nach der Parade durch den Ort und diverse gemeindeeigene Kreisel werden dann „die Gase reingeschoben“ – und ab geht´s mit Karacho über die Dörfer in Richtung Chiemsee. Dieter und Harry haben die Tour gut gewählt – nur vier Ampeln auf 160 km – das gibt´s normalerweise nur in der Sahara. Mit viel Schräglage durch viele Kurven, bergauf und bergab, knapp vorbei an dampfenden Misthaufen mit dunkelbraun glänzenden Odellacken – wehe dem, der hier die Kontrolle über seine Maschine verliert. Sechs Kilometer vor dem rettenden Gut Kronberg bei Amerang ist es soweit – die dunklen Wolken mit eisigkaltem heftigen Regen sind endlich eingeholt. Eine warme Wirtsstube und viel heißer Kaffee, Tee und Capuccino reaktivieren die Lebensgeister der fünfundzwanzig Biker für die Rückfahrt.

Ein gelungener Auftakt in die Saison 2004 – das ist trotzdem das gleichlautende Fazit beim traditionellen Weißbier-Ausklang im heimatlichen Dornach. Steffi legte mit Bravour ihr Debüt bei schwierigen Verhältnissen auf der Langstrecke ab. Susi brach sogar den bisherigen Rekord der Harley-Fahrer – sie blieb mit ihrer Kawa bereits nach 140 km Fahrt mit leerem Tank stehen. Und Jürgen – er testete mit Erfolg seine nagelneuen Motorradstiefel. Bei Regen lösen sich an beiden Stiefeln sauber und rückstandslos die Sohlen – somit lässt sich das Oberleder hoch bis zu Knie ziehen – man fährt zwar anschließend in Socken aber das Leder wird vor Nässe geschont. Toll !!! – aber braucht man so was wirklich ???

 

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