Bericht von der Karawanken Tour 2008

„Kernöl, Speck und Schilcher“ 22. bis 25. Mai 2008

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In drei Gruppen starteten sechsundzwanzig SVD-Biker zu ihrer diesjährigen großen 1400 km-Reise nach Österreich, über das Salzkammergut, die Steiermark und Kärnten, in den Triglav-Nationalpark in Slovenien und über das italienische Friaul wieder zurück. Trotz mehrmaligem Nachzählen – irgendwie blieb der Eindruck, hier zusätzlich Pankratius, Servatius, Bonifatius und anscheinend auch noch die kalte Sophie mit von der Partie zu haben. Jeweils ab tausend Höhenmeter ging’s zusätzlich ab in eine Waschküche mit zwanzig Meter Sicht und penetrantem Nieselregen. Somit war man vorerst „not amused“ – aber auf Notfälle, gleich welcher Art, wie immer bestens vorbereitet. Mehrere Pullover, lange Unterhosen, Motorradkombi, Nierenwärmer und Regenkleidung hielten trocken und warm. Nur wer ganz ganz schnell mal pinkeln mußte, hatte seine liebe Not. Auch die technische Nothilfe funktionierte professionell. Beim geringsten quietschen, pfeifen, klappern – Mark war zur Stelle – mit profundem Detail-Wissen und seinem Spezialwerkzeug. Auch eine „Operation am offenen Herzen“ hätte mit diesem Sortiment sicherlich kein Problem dargestellt. Der „Gamsjäger“ im einsamen nebelverhangenen St.Nikolai im Sölktal war der erste Anlaufpunkt. „Hirschbraten“ gab’s – speziell für die Motorradler – das hob schon mal die Stimmung. Ob gewildert, überfahren oder waidgerecht geschossen – diese Frage ließ der Wirt mit allesbedeutendem Lächeln offen. Zum Kochen brachten die Stimmung aber letztendlich Richard, der unerwartet mit einer „Diatonischen“ – einer Knöpferlharmonika aus dem Wirtshaus-Fundus zünftig aufspielte und Wolfgang, der bis dato unbekanntes Show-Talent offenbarte. Gut, daß es keine weiteren Gäste gab.

Bei Nebel, Kälte und Nässe passierte man am nächsten Tag die Schneewände am Sölkpass, der erst Tage zuvor endgültig freigeräumt wurde. Dann hatte Petrus doch Erbarmen und ließ ab und zu ein Stückerl blauen Himmel sehen. Für gewohnte Kurzweil sorgte hin und wieder die satellitennavigierte GPS-Gruppe, als sie sich gerade wieder mal verfahren hatte und den beiden anderen Gruppen entgegenkam. Die kulturellen Highlights waren der Besuch der „Hundertwasser-Kirche“ in Bärnbach sowie eine Führung durch das Lipizzaner-Gestüt in Piber. Sichtlich beeindruckt von Eleganz und Schönheit der edlen Tiere kletterte man dann aber doch wieder auf sein „altes Eisenpferd“ und weiter ging die Reise. Kurz davor nochmals ausgiebig „naßgemacht“, fuhr man in den Hof der zweiten Unterkunft in Deutschlandsberg ein. Auch hier in einem „Buschenschank“ bei Brettl-Jause und Schilcher konnte der Abend als ausgesprochen „vergnüglich“ bezeichnet werden. Obwohl – schon Papst Pius VI schrieb vor über zweihundert Jahren bei einer Reise durch die Steiermark nach Wien in sein Tagebuch: „Sie haben uns rosaroten Essig vorgesetzt den sie Schilcher nannten“ – und recht hatte er !!! – und offensichtlich ist die Keltermethode immer noch aktuell.

Dritter Tag – über den Seebergsattel wechselte man nach Slowenien hinüber. Bei strahlend blauem Himmel erreichte man Bled an einem malerischen See. An dessen Promenade bummelten schon die alten Habsburger. Während manche der wackeren Biker den beschaulicheren Weg durch den Nationalpark nach Kranjska Gora wählten – entschied sich eine unerschrockene Truppe, denen das Kreuz immer noch nicht weh genug tat, für den zweihundertvierzig Kilometer-Kurs um das mächtige Triglav-Massiv und über den „berüchtigten“ Vrsic-Pass. Türkisblau und klar rauscht hier die Soca (Isonzo) durch eine wildzerklüftete Karstlandschaft. Das friedliche Bild läßt nicht erahnen, was sich hier vor rund 90 Jahren abgespielt hat. Alte Kanonen und Bunker am Straßenrand erinnern noch an den Wahnsinn der zwölf Isonzo-Schlachten, den blutigsten Gebirgskriegs-Gefechten überhaupt mit den vielen Tausenden Toten im 1. Weltkrieg. Den Vrsic-Pass mit achtundvierzig steilen und engen Kehren sprengten 1914 russische Kriegsgefangene unter elenden Bedingungen durch den Karst. Er erwies sich als letzte Herausforderung an diesem Tag. Will man vermeiden, sein Motorrad irgendwann auf dem Buckel talwärts zu tragen, sollte man die zwischenzeitlich blankpolierten Kopfsteinpflaster-Kehren der Nordrampe möglichst nicht bei Nässe befahren. Von einer üblen dunklen Wolkenwand durch das Soca-Tal und über den Pass getrieben, gelang der Gruppe gerade noch die trockene Überfahrt. Das war kein leichtes Unterfangen bei Langsamfahrt über die vielen tiefen Verwerfungen im Straßenbelag, durch enge hakelige Kurven und das auf bis zu 300 kg schweren vollbepackten Motorrädern. Kranjska Gora – malerisch gelegen und letzter Stützpunk, war erreicht. Bei der betörenden Auswahl slowenischer Spezialitäten aus Küche und Keller – und der Slivovitz-Batterie lösten sich die Anstrengungen der Vortage in Wohlgefallen auf – es schmeckte phantastisch.

Dann aber endlich Sonne und Wärme – die Heimfahrt der Gruppen verlief unterschiedlich. Die „Oldies“ (60 – 71 Jahre) testeten ersteinmal die Glaubwürdigkeit italienischer Straßenbaubehörden auf dem Nassfeld. Ein Riesen-Schild unten im Tal mit der Aufschrift „traffico bloccato“ oder so ähnlich, erwies sich nach vielen Höhenmetern kurviger Auffahrt tatsächlich als zutreffend. Aber wer kann schon italienisch. Die schweren Bikes auf enger Felsrampe wieder talwärts zu richten, gelang mit Mühe. Nach genußvollem Kurvenschaukeln durch das traumhaft schöne Lesachtal gab man auf der Felbertauernstraße endlich wieder mal richtig Gas. Abstand halten war jedoch höchstes Gebot – hirnlose, dicht auffahrende Autofahrer, Steinbrocken auf der Straße, holländische Wohnmobile usw. mußten „chamäleonartig“ im Auge behalten werden. Auch war es für Harry nicht alltäglich, bei voller Fahrt plötzlich ein komplettes „Pfadfinder-Equipment“ aus vielfältigsten Straßenkarten, Roadbooks, Hotelprospekten usw. um die Ohren zu bekommen. Das stammte von Richard, der vor ihm fuhr und vergessen hatte, seinen Tankrucksack zu schließen. Steffens „Iron Butt Association“ – darunter auch Max (70 Jahre) schaute dagegen noch „kurz“ mal hinauf zum Großglockner um nachzusehen, ob dort die Scheewände immer noch über vier Meter hoch sind und ob’s die Tatzelwurmstraße am Sudelfeld noch gibt – sie waren „gnadenlos gegen sich und das Material“. Endlich lief man mit hängender Zunge im Bräustüberl-Biergarten in Feldkirchen ein. Das erste Weißbier zischte und verdampfte augenblicklich – dann wäre den meisten eigentlich in Anbetracht ihrer so malträtierten Kehrseiten ein Stehcafe doch lieber gewesen.

Diese Reise über vier Tage war beileibe keine „Kaffeefahrt“ – es ging dabei ganz schön zur Sache. Aber der Wille, die Kondition und der Teamgeist der gesamten Crew hat wieder mal gepaßt. Dazu auch noch die akribische Ausarbeitung der Tour von Joachim und Harry mit betont bikerfreundlichen Unterkünften, Lokalitäten und Preisen. Erfreulich war die Vielzahl der Mädels auf dieser Reise – damit verbunden jedoch der steile Anstieg des allabendlichen Lärmpegels in die höheren Tonlagen. Auch die Anzahl der „Pipi-Pausen“ übertraf schlagartig die bisher gewohnte Häufigkeit bei weitem. Nächstes Jahr stehen 2500 Motorrad-Kilometer nach Mougins und retour über die Seealpen an – das kann ja heiter werden.

 

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