Gänsebraten – Motorradtour vom 15- bis 18.Juni 2006

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Irgendwann, vor vielen Jahren war es da: das Gerücht von dem kleinen Dorf – irgendwo im Osten – wo die Frauen nach uralten Rezepten in gebrannten Lehmbratpfannen den ultimativen „Ganslbraten“ zubereiten. Dazu gebratene Gänseleber mit einerm unvergleichlich zarten Geschmack, köstliche, auf der Herdplatte gebackene Kartoffelfladen und dazu selbsteingelegte Gurken und Paprika. Den Wienern war das „Ganslbraten-Mekka“ schon seit dem 1.Weltkrieg bekannt – mit dem Fiaker sind sie angeblich schon dorthin gefahren. Gesagt haben sie nix – so erfuhren es die Dornacher erst heute und den Feinschmeckern unter den SVD-Bikern glänzten die Augen.

Harry und Dieter knüpften umgehend die Kontakte – eine vielzahl Gemeindebürger mit westslawischen Sprachkenntnissen aus Dornach und Aschheim wurden erfolgreich in die umfangreichen Vorbereitungen eingebunden. Zwar ist so ein fetter Vogel nicht gerade Hauptbestandteil einer frühsommerlichen Strandfigur-Diät – aber der Gedanke daran wurde mehr und mehr zwanghaft.

So bepackten nun vierundzwanzig Motorsportler ihre Maschinen, nebst Werkstattbus für alle Fälle, zu einer 1500 km-Tour. Joachims ausgeprägt gestörtes Verhältnis zu österreichischer Autobahnbenutzungsgebühr bescherte der Truppe eine überaus reizvolle Tour entlang dem tschechischen Grenzgebiet. Mit der Zeitreise durch ein Schmuckstück mitteleuropäischer Renaissance und Barock-Zeit, dem ehemaligen Böhmisch Krumau, war der traditionelle Aspekt von SVD-Motorradreisen wieder einmal mehr als erfüllt. Die Besatzung des Versorgers war aus Zeitgründen weniger an einer Fahrt durch das südmährische Outback interessiert – sie kaufte sich ein Pickerl und bretterte einen Tag später auf der Autobahn in Richtung Bratislava in die Slowakische Republik.

Unterdessen reisten die Biker auf der „Karpaten-Weinstraße“ an. Vereinbarter Treffpunkt war die Hotelbar in Slovensky Grob zum Begrüßungsschnaps namens „Borowitschka“.
Jedoch eine uralte slowakische Weisheit sagt: „Fremder – trinkst du am Montag mit einem Slowaken Borovicka – glaubst du am Dienstag, zu sterben. Trinkst du am Mittwoch mit einem Slowaken abermals Borovicka, bereust du am Donnerstag zutiefst, am Dienstag nicht schon gestorben zu sein“.
So verzichtete man auf den „Schädelsprenger“, legte das Besteck zur Seite, schloß die Augen und gab sich von Herzen und fettigen Fingern den Gänsebraten-Spezialitäten, den vorzüglichen Weinen und den nicht minder edlen Bieren hin.

Samstag früh wurden dann die Maschinen zur Heimreise gestartet. Die satellitengestützte GPS-Fraktion bekam den üblichen Halbstunden-Vorsprung, da diese in ebenso üblicher Regelmäßigkeit hoffnungslos vom richtigen Weg abkamen. Die andere Gruppe mit veralteter Landkarten-Navigation verfuhr sich ebenso oft – nur sie merkte es früher.
Absolut hilfreich war der Tipp von Klaus, der irgendwo – 600 km von Zuhause weg – einen niedlichen kleinen Taschenkompass zückte und einer fröhlichen Gesellschaft verkündete, daß nun die Hauptrichtung „Südwesten“ einzuhalten wäre. Und Recht hatte er – in diese Richtung ging dann auch die zweitägige Rückreise durch das Burgenland – vorbei am Neusiedlersee – wechselte von der „Rotweinstraße“ auf die „Steirische Eisenstraße“. Ein letzter Hotelaufenthalt nahe der beeindruckenden Basilika „Mariazell“ zeichnete sich weniger durch den Zimmerkomfort als durch eine phantastische Küche aus. Auch der Marillengeist war von erlesener Qualität. Die Nacht war lang – für einige Wenige – um hier keine Namen zu nennen.

Weiter ging es auf traumhaften Motorrad-Routen durch das Wildalpener Salzatal, ein Eldorado für Biker und Kajakfahrer – durch das „Gesäuse“, einer schluchtartigen und verwundenen Talstrecke entlang der Enns – hinein in die Bilderbuchlandschaften an der Österreichischen Romantikstraße im Salzkammergut.

Es war eine Reise für die Sinne – aber auch der gegenüberliegende Körperteil kam nicht zu kurz. Wacker und klaglos hielten sich die Mädels. Während sich Alexandra und Heidi als Sozia in ihren motorisierten „Bequem-Möbeln“ lümmelten, hielt Barbara dagegen auf härterem Gestühl aus. Ihre Bemühungen, vom Rücksitz aus alles Mögliche, auch hinter sich, zu fotographieren, könnte unter „Akrobatik auf höchstem Niveau“ eingeordnet werden. Sabine und Susi jagten ihre Maschinen souverän selbst über die gesamte Distanz. Den „ruhenden Pol im Bus“ bildete Cristel – heuschnupfengeplagt aber selig schlummernd zwischen Gepäck und Ausrüstung – während Marianne die undankbare Aufgabe übernahm, hin und wieder die fehlerhaften Richtungsvorgaben eines rechthaberischen Copiloten an den Fahrer zu korrigieren.

Am Sonntag spät nachmittag lief Gruppe 2 nach 1378 gefahrenen Kilometern und bei 45°C Asphalttemperatur wohlbehalten wieder in Dornach beim „Butz“ ein. Ein kühles Bier in einem kühlen Biergarten unter einem Kastanienbaum – danach hatte man sich seit vielen Stunden gesehnt. GPS-Gruppe 1 folgte etwas später und war 1428 Kilometer gefahren – wahrscheinlich hatte sich sich wieder irgendwo verirrt

Nächstes Jahr werden wie wieder fahren!

 

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