„Kurvenkonzentrat“ – eine Motorradtour durch die Dolomiten

18. bis 20. Juli 2003

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Daß mit der Motorradweihe im Frühjahr auch die Option auf eine extrasonnige Biker-Saison verbunden ist, hat man insgeheim eigentlich schon erwartet. Doch sieht man sich am Freitag früh bereits bei der Abfahrt zur Großglockner-Überquerung zunehmend befremdet mit Nieselregen, Nebel und Kälte konfroniert. Neunzehn Motorsportler auf sechzehn schweren Maschinen und leichtem Gepäck sind auf dem Weg ins Land, wo die Zitronen blühen. Hoch oben auf der Franz-Josefs-Höhe am Glockner bricht aber dann doch der Sommer mit Macht herein.

Manch schweißgebadeter „Lange Unterhosen-Träger“ hadert verbittert mit seiner Situation, wider besseren Wissen mal wieder brav den fürsorglichen Kälteschutzempfehlungen seiner Frau zuhause – „zieh dich ja warm an!!!“ – gefolgt zu sei. Trotzdem geht’s beschwingt über viele Kehren wieder hinunter über Lienz, Toblach, durch die Sextener Dolomiten zum Misurinasee und weiter über den Tre Croci Pass nach Cortina. Türkisblaue Gewässer, sattgrüne Almen und Wälder, im Hintergrund bizarr gezackte Felsgipfel – Gedanken an eine unwirkliche Modelleisenbahn-Landschaft drängen sich auf. 440 gefahrene Kilometer zeigt der Tacho am Abend als die „müden Krieger“ nach einer letzten Power-Fahrt über den wilden Giao-Pass ächzend und stocksteif endlich aus dem Sattel kraxeln. Die äußerst angenehme Klasse-Herberge an der Auffahrt zum Fedajapass ist erreicht. Die ersten Biere verzischen ohne Wirkung. Doch jeweils längere Aufenthalte in Dusche, Restaurant und auf abendlicher Terrasse bei Alpenglühen, Wein und Grappa in einer lustigen Runde reanimieren die Sinne zusehends.

Die 150 km-Tour am Samstag soll gemäßigter ablaufen. Doch die Mädels von der „Huckepack-Fraktion“ trauen dem Frieden nicht – das entspannte Bad im hoteleigenen Pool und Sonne scheint ihnen verlockender zu sein. Die Entscheidung, die Rummelplatz-Atmosphäre auf der klassischen „Sella Ronda“ zu meiden, fällt schwer, erweist sich aber als richtig. Bereits die Fahrt über das Pordoijoch zwischen bergauf keuchenden Reisebussen, Rennradlern, Wohnmobilen und todessüchtigen Möchtegern-Motorradrennfahrern läßt ahnen, was sich drüben am Sellajoch abspielt. Traumhaft sind dagegen die grandiosen Weit- bzw. Tiefblicke abseits auf wenig befahrene Pass-Strecken über Staulanza und Fedaja an der Nordflanke der Marmolada, spektakulär die wilde Jagd durch die steilen und engen Kurven auf dem Duran-Pass.

Schweißtreibend gestaltet sich am Sonntag die 350 km-Rückfahrt bei 37° über Campolongo-Pass und Grödnerjoch. Ein wehmütiger Blick zurück auf die gewaltigen und atemberaubenden Felsriesen der Dolomiten, dann reiht man sich ergeben ein in den Touristenstrom im Val Gardena. So schön das Tal – so grässlich der Trubel. Vorbei ist’s mit Kurvenschaukeln bis zum schwindelig werden – jetzt wird „Gummi gegeben“. Über Brenner und Achenpass geht die Reise nach Hause. Bei Innsbruck vermittelt der Fahrtwind noch bei 100 km/h den Eindruck, von einem Haarfön auf Stufe 3 angeblasen zu werden.

Eine absolute Supertour mit einer zünftigen Mannschaft aus Dornach, Aschheim, Feldkirchen und dem restlichen Bayern – das ist die einhellige Feststellung der wackeren Biker, welche sich am späten Nachmittag noch wie üblich im Biergarten beim „Butz“ in Dornach zum Abschied treffen. Nicht nur sie – auch ihre „Mopeds“ haben diese Tour der anspruchsvolleren Sorte mit Bravour gemeistert. Und über ein paar verlorene Schrauben an seiner lieben alten „Lizzy“ aus Milwaukee regt sich Harry schon lange nicht mehr auf – er hat noch welche.

 

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